31.12.02
30.12.02
Vom deutschen Rhein

- Ein Gedenkblatt aus der Zeit der großen Überschwemmung 1882/83
Von W. Wiener.
Ich möchte hier aus der alten Stadt Worms am Rhein etwas von dem mittheilen, das ich als Seelsorger in der Zeit der Ueberschwemmungen, zu Ende 1882 und anfangs 1883, erleben durfte. Lag doch Worms recht im Centrum der Wogen, welche wie in der vorgeschichtlichen Zeit, da der Rhein noch keinen passenden Durchgang bei Bingen gewonnen hatte, von den Vorhöhen des Odenwaldes bis zu denen der Hardt reichten, und an Umfang die Fläche des Bodensees hinter sich ließen. Wohl hatten die Menschen den Stromlauf geradgelegt und zu beiden Seiten die Dämme erhöht, aber eine stärkere Hand brach die Wehr und zeigte den Leuten, wie wir mit allen Mitteln, die wir zur Beherrschung der ‚Natur’ gewonnen haben, in einer fortschrittsstolzen Zeit mit dem persönlichen Gott zu rechnen haben. Und wenn sie in guten Zeiten stromaufwärts die Wälder selbstsüchtig abgeholzt, und bei der Einengung des Strombettes bloß an die eigenen Interessen gedacht hatten, so wurde ihnen nun in der Noth und Gefahr ein Wink der göttlichen Liebe zu theil.
29.12.02
Neues Outfit - neue Technik
Das Rheinhessenarchiv hat rechtzeitig zum Jahreswechsel ein neues Kleid verpasst bekommen. Nun ist es möglich, Einträge zu kategorisieren und zu kommentieren.
Durch den Wechsel von Blogger zu MT wurden die Links zu den einzelnen Beiträgen in den Archiven nicht übernommen. Bitte prüfen Sie ggf. Ihre Links!
Ein RSS-Feed ist ebenfalls vorhanden. Viel Spaß beim Lesen!
28.12.02
Kornworm Nr. 14 erschienen
Pünktlich zum Weihnachtsfest erschien Heft 14 der Bürgerzeitung "De Kornworm", die sich mit heimatkundlichen Themen zu Ober-Flörsheim und seiner Nachbarschaft beschäftigt. Von allgemeinem Interesse dürfte insbesondere der Bericht über einen Besuch des späteren Gouverneurs des US-Staats Pennsylvania Samuel Whitaker Pennypacker in der Heimat seiner Vorfahren im Jahr 1890 sein. Pennypackers Reiseeindrücke im südlichen Rheinhessen wurden seiner 1918 erschienenen Autobiographie entnommen. Sein Vorfahr, der 1674 in Flomborn geborene Hendrick Pannebecker gehörte zu den frühesten deutschen Siedlern Nordamerikas. Er wanderte 1694 aus und wirkte als Geometer in Germantown bei Philadelphia.
Das Heft ist abrufbar unter www.kornworm.de. (Seite bewerten ...)
27.12.02
Wanderausstellung "100 Jahre Katasterämter am Rhein und Main"
Am 1. August 2002 besteht die staatliche Vermessungsverwaltung im Gebiet des ehemaligen Grossherzogtums Hessen-Darmstadt (zu dem Rheinhessen gehörte) 100 Jahre. Das Kataster in Hessen-Darmstadt ist jedoch viel älter, seine gesetzlichen Grundlagen wurden bereits 1824 gelegt. Anlässlich des Jubiläums wurde eine Ausstellung zusammengestellt, in der die historische Entwicklung der Vermessungs- und Katasterverwaltung der heutigen Länder Hessen und Rheinland-Pfalz aufgezeigt wird.
In Rheinhessen wird die Wanderausstellung an allen sieben ehemaligen Standorten eines Kreisvermessungsamtes zu sehen sein:
Alzey (Burggrafiat), 15.3.2003-6.4.2003
Bingen (Museum am Strom), 8.4.2003-27.4.2003
Mainz (Rathaus), 29.4.2003-13.5.2003
Worms (Rathaus), 23.6.2003-6.7.2003
Wörrstadt (Verbandsgemeinde), 8.7.2003-24.7.2003
Osthofen (Rathaus), 19.8.2003-29.8.2003
In Oppenheim wurden die Exponate bereits im Dezember dieses Jahres gezeigt.
Zur Ausstellung, die auch auf lokale Besonderheiten eingeht, erscheint eine umfangreiche kostenlose Broschüre. Auf das besondere Interesse von Heimatforschern duerfte der Nachdruck einer Karte des Grossherzogtums Hessen aus dem Jahr 1850 stammen, der aus Anlass des Jubiläums aufgelegt wurde und am Ausstellungsort bzw. beim Vermessungs- und Katasteramt Alzey (Reiner.Letzner@lvermgeo.rlp.de, Tel. 06131/6306140) gegen eine Schutzgebühr bezogen werden kann.
24.12.02
Kleiner Rückblick
Liebe Besucher,
für die Unterstützung, Beiträge und konstruktive Kritik, die ich im vergangenen Jahr erhalten habe, möchte ich mich heute einmal sehr herzlich bedanken. Es ist schön zu sehen, wie sehr das Rheinhessenarchiv angenommen wird und welche fruchtbaren Ideen und Kontakte darüber entstehen können. Seit fast einem Jahr ist Michael Werners Hiwwe-wie-Driwwe-Homepage sehr erfolgreich online und unbestritten eine echte Bereicherung! Andere vielversprechende Projekte sind in Arbeit ... So kann es gerne weitergehen!
Ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest wünscht Ihnen
Melanie Langenhan
20.12.02
Burschenschaften
Vor rund zwei Jahrhunderten - im Jahre 1815 - begann die Geschichte der Burschenschaft als revolutionäre Bewegung für die Freiheit und Einheit der deutschen Nation, gegen feudale Kleinstaaterei, für Meinungsfreiheit und Mitbestimmung des Bürgers in der Politik. [...]Geschichte und Gegenwart
In dieser Rubrik finden Sie die Stationen der burschenschaftliche Geschichte von ihren Anfängen im Jahre 1815 bis hin zum heutigen Engagement. Zusätzlich finden Sie hier MP3-Dateien und andere Dokumente zum Herunterladen.Studentika
Ebenfalls in der Rubrik Geschichte und Gegenwart finden Sie die Unterrubrik Studentika, in der Sie historische Bilder, Couleurkarten und bislang unveröffentlichte Dokumente aus dem Archiv der Deutschen Burschenschaft finden.
Quelle: http://www.burschenschaft.de
Historische Zeitungen
Die ULB der Uni Bonn hat das Verzeichnis ihres Bestandes an historischen Zeitungen online gestellt.
1000 Jahre Ungarn
Die Budapester Zeitung verfügt zu meiner großen Überraschung über eine hervorragende deutschsprachige Online-Ausgabe. In der Rubrik "Ungarn erleben" dürften die Historiker vor allem an den Themen 1000 Jahre Ungarn und Berühmte Ungarn Interesse finden. Das Archiv ist seit 01.01.2000 bis zur aktuellen Ausgabe durchsuchbar. Dort fand ich folgenden Beitrag:
Details ... "1000 Jahre Ungarn"Juweliere leben gefährlich - damals wie heute ...
Denn schon vor 150 Jahren erregte u.a. ein Betrug an einem Schmuckhändler im benachbarten Frankfurt großes Aufsehen:
»Mainz, 23. Dez. Wenn wir auch keine so bedeutenden Gaunerstreiche von hier zu berichten haben, wie solche in unserer Nachbarstadt Frankfurt vorkommen, so wollen wir doch zwei Proben geben. In Frankfurt kamen am 21. d. M. zwei reichgekleidete Männer zu einem Juwelier und suchten für über 2000 Gulden Schmucksachen aus, welche sie sich in den Gasthof "zum Landsberg" bringen ließen, um dort Zahlung dafür zu leisten. Im Gasthofe öffnet der Käufer eine Kommode und nimmt daraus ein Kästchen mit Kassenscheinen, die der Juwelier aber nicht so hoch annehmen will, als der Käufer verlangt. Letzterer will deßhalb in Silber zahlen, stellt die Kassenscheine und die Schmucksachen in die Schublade, verschließt dieselbe und legt zum Ueberfluß den Schlüssel oben darauf, den Juwelier ersuchend: Platz zu nehmen, bis er aus dem Nebenzimmer das Silbergeld bringen werde. Dieser öffnet nach einigem Warten die Thüre des Nebenzimmers, es ist leer, die Wand und Kommode der andern Stube dagegen zeigen ein Loch, durch welches der Schmuck und die Kassenscheine verschwunden sind. -
Hier in Mainz ließ sich ein noch unbekannter junger Mann Tuch zu Kleidung von dem Lehrlinge des Kaufmanns bis an ein benachbartes Haus tragen, bei dessen Besitzer er sich aufzuhalten vorgab. In dieses Haus eintretend, verweilt er unter allerlei Vorwänden über die geeignetste Zeit mit dem Herrn sprechen zu können, bei dem die Thüre öffnenden Dienstmädchen und entfernte sich mit dem Tuche wieder, als der Lehrling fortgegangen war. Am andern Tage stellte sich der Betrug heraus. - Ein geringerer, wohl aber noch schändlicherer Betrug wurde an einem den Markt besuchenden Landmädchen verübt, dem eine Frau seine Butter abzukaufen sich anheischig machte, unter der Bedingung, daß es dieselbe in ihre Wohnung tragen solle. Unterwegs nimmt die Frau einen Theil der Butter, unter der Angabe, diesen ihrer Schwester abgeben zu wollen, während das Mädchen ihre Rückkunft im Hausgange abwarten sollte. Die Frau kam nicht zurück, das Haus aber hatte einen Durchgang in eine andere Straße und das Mädchen konnte froh sein, nur um einen Theil seiner Waare betrogen worden zu sein. - Möge Jeder sich vorsehen, damit nicht ähnliches ihm begegne.«
Quelle: Anzeigeblatt für Rheinhessen vom 25.12.1852
17.12.02
Johannes Mylaeus - Ein Jurist und Schulmeister aus Nieder-Olm
»Im Zuge ihrer wachsenden wirtschaftlichen Macht und politischen Unabhängigkeit strebten die Städte im Spätmittelalter (14./15. Jahrhundert) auch nach Eigenständigkeit im Bildungswesen, indem sie die Unterhaltung von Schulen übernahmen, schließlich die Aufsicht über bestimmte Schulen an sich zogen oder neue bürgerliche Schulen gründeten. In Speyer gab die Reformation den entscheidenden Anstoß zur Gründung einer selbständigen bürgerlichen Schule, wie es Luther gefordert hatte.Schon 1525 faßte der Rat diesen Plan der Gründung einer Ratsschule (schola senatoria), der aber erst nach dem Übertritt der Stadt zum evangelischen Glauben (1538) im Jahre 1540 zur Ausführung kam. Als erster Schulmeister wurde Johannes Mylaeus aus Niederolm berufen, der als Rektor das Recht hatte, seine Mitarbeiter (collaboratores) auszusuchen und die erste Schulordnung aufzustellen. Die Ratsschule später auch im Unterschied zur "teutschen" Volksschule als des "ehrbaren Rats der Stadt Speyer lateinische Schule" bezeichnet (Schulordnung von 1594) war als Trivialschule konzipiert, in der in vier Klassen die Fächer Grammatik, Rhetorik und Dialektik, am Rande auch Religion und Musik gelehrt wurden. Diese Schule war im Dominikanerkloster untergebracht und mußte sich mit einem Unterrichtsraum für alle Klassen und Lehrer begnügen, was allerdings durchaus mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gepflogenheiten entsprach. Die Schule war anfangs nicht nur durch den bescheidenen äußeren Rahmen beeinträchtigt, sie war auch im Rahmen der politischen Auseinandersetzung um die Konfessionen in ihrer Existenz bedroht. So mußte Mylaeus beim Aufenthalt Kaiser Karls V. in Speyer 1541 die Stadt vorübergehend, zur Zeit des Augsburger Interims im Jahre 1548 für immer verlassen. Der Rat widersetzte sich jedoch der Aufforderung, die Schule aufzulösen, verlegte sie in die Bäckerzunftstube und stellte einen neuen Rektor an. Der Augsburger Religionsfriede von 1555 brachte eine Beruhigung und eine Verbesserung der Verhältnisse an der Speyerer Ratsschule, wie die Schulordnung von 1594 zeigt. Jede Klasse hatte jetzt ihren eigenen, vom Rat ausgesuchten Praezeptor und wohl auch einen eigenen Raum, war doch die Schule nach einer Zwischenstation im Haus zum Groiffen (seit 1555) seit 1587 in einem geräumigen Gebäude des Retscherhofes untergebracht, wo sie bis zum Brand der Stadt 1689 blieb. Die vom Rat der Stadt immer sehr ernst genommene Aufgabe der Schulaufsicht sollte nach der Schulordnung von 1594 von den beiden Bürgermeistern und zwei Ratsherren wahrgenommen werden.«
Quelle: Walter Helfrich, 450 Jahre lateinisches Gymnasium in Speyer (zur Onlineversion)
Meine Affinität zu einem Nieder-Olmer Juristen ist ja hinlänglich bekannt :-) Und nun fällt mir dieser Johannes Mylaeus quasi in den Schoß! Wo? In einem digitalisierten Buch (Adam, Melchior: Vitae Germanorum iureconsultorum et politicorum, qui superiori seculo et quod excurrit floruerunt) auf dem Server der Uni Mannheim. Gefunden hatte ich den Link bei Netbib.
14.12.02
Rückblende: Rheinhessen vor 150 Jahren
»Bingen, 25. Nov. In der vergangenen Nacht wurde ein hiesiger katholischer Geistlicher, als er im Begriff war, einem Kranken das heilige Sakrament zu bringen, von drei hiesigen jungen Leuten gröblich insultirt. Die Untersuchung wegen dieser Schandthat ist bereits im vollen Gang und wird für die betreffenden, die sowohl von dem Glöckner, wie auch von den Nachtwächtern erkannt wurden, voraussichtlich einen sehr schlimmen Ausgang nehmen. Appenheim, 8. Dez. Seit Monaten ist auf Betreiben des Hrn. Winter von Limburg in hiesiger und angrenzenden Gemarkungen auf Eisenstein geschürft worden, und wie sich nun darstellt, mit dem gewünschten Erfolg. Auf dem Weinberge am oberen Mainzerweg in hiesiger Gemarkung liegt der erzhaltige Stein in der geringen Tiefe von 7 Fuß zu Tag und die Ausbeute verspricht schon für nächstes Frühjahr eine lohnende Beschäftigung für Taglöhner und Fuhrwerkbesitzer. Daß dieser neue Erwerbszweig nicht ohne Rückwirkung auf die Taglöhne in unserer Gegend im Allgemeinen bleiben wird, ist vorauszusehen, und die wohlhabenderen Ackersleute werden sich entschließen müssen, ihren Taglöhnern einen besseren Lohn als bisher zu bieten, wenn sie nicht auf deren Hände verzichten wollen. Wir wünschen dem Unternehmen den besten Fortgang und hoffen von demselben, daß mancher brave Arbeiter dadurch sein Auskommen finden und die Auswanderung nach Amerika vergessen wird. Alzey, 8. Dez. Ein Ausschreiben hiesigen Kreisamtes macht darauf aufmerksam, daß den diesseitigen Unterthanen das Hausiren in Bayern nicht erlaubt ist (die Grenze zur bayerischen Rheinpfalz war nur 3 km von Alzey entfernt!), und daß demzufolge k. bayerische Unterthanen auch im Großherzogthum Hessen nicht hausiren dürfen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß das Gewerbe der Zinn- und Löffelgießer auch von diesseitigen Angehörigen nicht hausirend betrieben werden darf. - Eine andere Veröffentlichung stellt Lehrern, welche sich mit dem Unterricht von Blinden befassen, eine Gratifikation in Aussicht. Appenheim, 9. Dez. Gestern Abend 7 Uhr ertönte die Glocke vom Thurme der kath. Kirche, mit welcher das Signal bei ausgebrochenem Brande gegeben wird. Die Bewohner unserer Gemeinde stürzten erschreckt aus ihren Häusern und forschten vergeblich nach der Brandstätte. Endlich wurden sie dahin beschieden, das Geläute habe als Zeichen für eine Singstunde gegolten, welche der kath. Lehrer abhalten wolle. Wir glauben, diesen Vorfall um deßwillen rügen zu sollen, da neben dem Mißbrauch der Glocke und dem dadurch veranlaßten Schrecken der Bewohner es nicht gleichgültig sein kann, ob dieselben bei wirklich ausbrechendem Brande das dann ertönende Signal auch für das Zeichen einer Singstunde halten, wodurch ein großes Unglück entstehen könnte. Anzeigen von Privaten. Es wird ein gebrauchtes, jedoch noch in gutem Zustand befindliches Billard von ungefähr 11 bis 12 Fuß Länge und der entsprechenden Breite, sammt den dazu gehörigen Queues zu kaufen gesucht. Näheres auf frankirte Anfragen bei Postexpeditor Hoch in Sprendlingen, Canton Wöllstein. Theater-Anzeige (Mainz). Samstag den 11. Dez.: Die Räuber. Drama in 5 Aufzügen von Schiller. Karl - Hr. v. Ernest. Sonntag den 12. Dez.: Martha, oder: Der Markt zu Richmond. Oper in 4 Aufzügen von Flotow. Montag den 13. Dez.: Zum Benefiz für Hrn. Regisseur Rennert: Virginia. Tragödie in 5 Aufzügen von Hedwig Henrich. Icilius - Hr. v. Ernest. Die Direktion.«Quelle: Anzeigeblatt für Rheinhessen (Mainz), Dezember 1852
13.12.02
Schatzsucher in Bechtolsheim (Teil 2 und Ende)
»Soweit war die Sache gediehen, als die Obrigkeit davon erfuhr. Der dalbergische Hofmann Jakob Schwindel zu Bechtolsheim, wohl verärgert, weil sein Stiefvater sich als ungeeignetes Sonntagskind erwiesen hatte und daher von den zu erwartenden Schätzen nichts bekommen sollte, erstattete Meldung an den dalbergischen Keller Tholläus in Heßloch, und der berichtete sorfort an seinen Herrn, den kaiserlichen wirklichen Geheimrat Freiherrn von Dalberg in Mainz, auf dessen Grund und Boden, beim Wingertsmann Breyvogel, die erste Beschwörung vor sich gegangen war.Weit entfernt, dem abergläubischen Tun kurzweg ein Ende zu machen, versuchte der Territorialherr vielmehr vor allem, den Ort des Schatzes zu erfahren und die Mittel kennen zu lernen, durch die man in seinen Besitz kommen könne.
Zu diesem Zwecke wurde Breyvogel, dem man bereits erfolgreiche Schatzgräberei zutraute, weil er im letzten Jahre einige Äcker gekauft hatte - er war den Kaufpreis freilich noch schuldig - "bello modo" auf dalbergisches Hoheitsgebiet nach Heßloch gelockt, in einer warmen Stube des Wirtshauses interniert und nach allem ausgefragt.
Inzwischen wurde bei ihm Haussuchung getan. Man fand Schalk im Bett, verhaftete ihn und beschlagnahmte einen Reisesack voll zauberischer Gegenstände. Dabei kam auch Breyvogels Schwägerin in Haft, "eine höchst suspecte und vagabundische Weibsperson", die versucht hatte, einige Zauberbücher unter ihrer Schürze in Sicherheit zu bringen. Diese Arrestanten wurden ins Rathaus zu Gabsheim, ebenfalls in dalbergisches Gebiet gebracht. Dort erkrankte Schall schwer, wurde aber doch alle paar Tage eindringlich verhört und, obgleich er schon die letzte Zehrung erhalten hatte, noch mit Stockschlägen bedroht, damit er alle sage. Zugleich wurde bei der Mommenheimer Behörde veranlaßt, daß auch Biermann vernommen werde. Endlich untersuchte man den Schloßkeller zu Bechtolsheim eingehend auf etwas schon vorgenommene Grabungen und fand auch Spuren von solchen wie von Mauerausbrüchen, ohne doch feststellen zu können, ob sie nicht von Einwohnern, die dorthin ihre Wertsachen vor den Franzosen geflüchtet hatten, oder von den Franzosen selbst herrührten.
Eine Enttäuschung brachte das Gerichtsverfahren der Behörde: den Spiegel, auf den es in erster Linie abgesehen war, gelang es Schalk noch nach seiner Verhaftung seinem Sohne zuzustecken, der ihn wieder nach Mainz brachte. Und als er später mit Hilfe der Mainzer Behörden zur Stelle geschafft wurde, konnte ihn niemand handhaben. Auch mit den übrigen Objekten, die Schalk für seine Beschwörungen brauchte, konnte nur der Sachkundige einen zauberhaften Gebrauch machen. Hier der Inhalt des beschlagnahmten Reisesackes: Außer den uns schon bekannten Dingen, wie der Stola, den Gefäßen mit Weihwasser und geweihtem Salz, der geweihten Schnur zum Kreismachen fanden sich noch zwei Kruzifixe, eine Sanduhr, ein Stück Osterkerze, ein lateinisches Gebetbüchlein, ein Futteral mit einem deutschen "abergläubischen Gebetbüchlein", ein "Exorcismus-Buch, worin das Christophori-Gebet", ein dersgleichen, "worin erstaunliche, Gott und die Heiligen versuchende und zitierende Expressiones", ein Büchlein mit weißer Pergamentdecke, worin der Geist zur Entdeckung des verborgenen Schatzes beschworen wird, mit Kupfern, die vier Evangelisten, den Erzengel Michael usw. darstellend ("diese werden beschworen und ordentlich vorgeladen"); ein sehr kräftiges Gebet, worin 500.000 Dukaten verlangt und auf Erhalten dem guten Geist gedankt wird; schließlich zwei kleine Bündelchen, worin ein Benediktuspfennig, ein Hubertuspfennig, ein Evangelium S. Johannis (wohl nur der Anfang des 1. Kapitels, häufig als Zaubermittel gebraucht), Johanniskraut, Asa foetida (Teufelsdreck), Dreikönigszettel, Agathazettel, ein gedrucktes spanisches Kreuz contra pestem, ein Muttergottesbild auf Seide, ein Bild von den hl. fünf Wunden, ein Agnus dei, etliche Krebsaugen, ein fingerlanger Pfeil von Blei.
Schalk trug persönlich ferner zu seinem Schutz gegen Hexen und Zauberei einen Zettel, in dessen Ecken die Namen der Evangelisten standen, während der übrige Raum ín kreisförmigen Feldern hebräisch geschriebene Worte enthielt (er liegt bei den Akten), zum teil unlesbar, da sie anscheinend von einem des Hebräischen Unkundigen geschrieben waren; in einigen erkannte man die hebräischen Bezeichnungen Gottes. - Die Taktik der Inhaftierten war verschieden; während Breyvogel reuevoll zugab, was er hatte tun helfen, renommierte Biermann nicht wenig mit den von ihm gesehenen Geistern, offenbar weil er sah, daß die Obrigkeit ihm Glauben schenkte. Er und Schalk suchten sich ihr Wohl als brauchbare Mittelsmänner zu empfehlen. Letzterer zählte daher noch weitere ihm bekannte Schätze auf: in Bönnigs Garten zu Mommenheim, auf dem St. Petersberg bei Bechtolsheim, in des Oberschultheißen Haus zu Bechtolsheim; endlich sollte einer in dem heimlichen Gang liegen, der von der Bechtolsheimer Kirche bis unter den Petersberg führte. Nach Biermann lag ein Schatz im Dalberger Schloß im Nebenkellerchen rechts; "der übrige Schatz scheine auf dem Turme zu liegen". So klang die Untersuchung in lauter Wirrsal aus. Was sollte die dalbergische Behörde tun? Schalk wurde im April 1740 zu einer Strafe verurteilt, die wir nicht kennen; vermutlich wurde er ausgewiesen.
Ob nun im Auftrag des Freiherrn im Schloß gegraben worden ist? Derartiges pflegt nicht aktenkundig zu werden, zumal wenn es erfolglos ist!
Denn diesen Eindruck gewinnt man aus den Vorgängen: Alt und jung, vornehm und gering - niemand ist frei von dem Glauben an die übernatürlichen Mittel zur Bereicherung. Und selbst wenn die Untersuchungsbehörde gegen den gotteslästerlichen Aberglauben eifert, so hat es doch den Anschein, daß sie solche tun vielleicht für etwas Verwerfliches, nicht aber für etwas Kraftloses hält.
Eng vermischt liegt in diesen Menschen Religion und Aberglaube. Die kirchliche Weihe ist ihnen ein Zauber, den man zur Verteidigung gegen böse Geister anwendet, das Gebet ist ein Zaubermittel, wodurch man guter Geister zu Hilfe rufen kann - sogar zu völlig egoistischen Zwecken! Wie zäh hat sich der alte Heidenglaube von den hilfreichen Naturgeistern unter der christlichen Decke erhalten!
Lachen wir nicht darüber! Noch jede Zeit hat ihre eigenen geheimen Wege zu den übermenschlichen Mächten gesucht. Es liegt etwas Ehrwürdiges in dem steten Ringen des Menschen mit dem Geheimnis, das uns umgibt, und in dem festen Glauben, daß es einen Weg gebe, in dieses Verborgene einzudringen. Die Wurzeln von Religion, Aberglauben und Wissenschaft reichen in dasselbe Erdreich hinab.«
Quelle: Volk und Scholle. Heimatblätter für beide Hessen, Nassau und Frankfurt a. M. Vierter Jahrgang. Darmstadt 1926, S: 309-312.
12.12.02
Schatzsucher in Bechtolsheim (Teil 1)
Nach dalbergischen Akten. Von Wilhelm Martin Becker.
»Es war im Winter 1739. Noch hatte das rheinische Volk die Verluste und Gefahren nicht überwunden, die der Feldzug der Franzosen am Rhein im sogenannten polnischen Erbfolgekrieg verursacht hatte. Viele waren verarmt, herabgekommen. Zu solchen Zeiten pflegt der Gedanke, wie man mühelos und schnell reich werden könne, dem Gemüte des Menschen nicht fern zu liegen. Schätze, so glaubte man, lagen gewiß im Boden vergraben; es galt nur, sie zu finden, es galt, die Geister und Dämonen zu bannen, die sie bewachten. Aber man wußte ja, daß die Schätze zu gewissen Zeiten emporstiegen, daß bevorzugte Menschen sie finden konnten, wenn sie der geheimnisvollen Künste mächtig waren. -Eines Tages hörte man den Bechtolsheimer Einwohner Philipp Reichard in seinem Garten aufgeregt nach seiner Frau rufen. Er hatte einen Schatz, einen mit Geld gefüllten Kessel, gesehen, aber auf seinen Ruf war er wieder versunken. Was tun? Da konnte nur der Schäfer helfen; Schäfer wissen mehr als gewöhnliche Leute. Zwar stand der Schäfer Johann Schütz, der erst kürzlich von über Rhein nach Bechtolsheim gekommen war, nicht im besten Rufe; aber durch ihn erfuhr Reichard von einem in Zauberdingen erfahrenen Manne, dem ehemaligen Faßbender Johann Adam Schalk in Weisenau, einem Bruder oder Vetter des Mommenheimer Pfarrers. Er wurde um seinen Beistand angegangen.
Schalk kam mit allerlei geheimnisvollen Gerätschaften nach Bechtolsheim. Nach seiner Kenntnis konnte man den Schatz erlangen entweder durch das Christophorusgebet oder durch Anwendung eines Zauberspiegels. Vor allem riet er, eine Messe lesen zu lassen, damit das Unternehmen gelinge.
Dann galt es, den Geist kennen zu lernen, der den Schatz bewachte. Aber ehe etwas geschehen konnte, erkrankte Schalk am Fieber und wurde von dem dalbergischen Wingertsmann Johann Breyvogel ins Haus genommen. Dort fand dann auch die Beschwörung statt. Sie konnte auch zugleich auf einen zweiten Geist gerichtet werden, der in dem damals schone zerfallenen dalbergischen Schloß umging und vermutlich ebenfalls einen Schatz zu bewachen hatte. Hierzu wurde auf den Tisch ein Krüglein mit Weihwasser, eine Schüssel mit geweihtem Salz gestellt, dazu drei brennende Wachskerzen, Bilder der vier Evangelisten und anderer Heiligen aufgelegt. Schalk hing sich eine Priesterstola um - sein Sohn hatte sie dem Onkel Pfarrer in Mommenheim entwendet -, nahm ein Kruzifix und eine brennende geweihte Kerze in die Hände. Auch Haselgerten wurden bereit gehalten, um gegen den bösen Feind zu fechten; sie durften nicht zu Boden fallen, sonst verloren sie ihre Kraft. Dann las Schalk aus einem mitgebrachten Buch die Beschwörungsformel vor: die Dreieinigkeit, die Mutter Gottes, alle heiligen Geister, aber auch alle Teufel wurden zur Entdeckung des Schatzes vorgeladen und gebannt. Endlich hieß es: "Komm Geist, komm Geist in menschlicher Gestalt, mir und meinen Gesellen ohne Schaden!" Die Beschwörung wurde dreimal wiederholt, aber nichts zeigte sich. So mußte man weitergehen.
Es gelang Schalk, von dem kurmainzischen Soldaten Valentin Frevel, der aus dem Erfurtischen stammte, leihweise einen Zauberspiegel zu erhalten. Er war so groß wie ein Brillenglas, nach andern Aussagen handgroß, lag in einer Blechkapsel; es waren Kreuze und Buchstaben daran angebracht. Der Spiegel konnte aber nur durch ein Fronsonntagskind gebraucht werden, d.h. eine Person, die an einem Sonntag nach dem Quatember (oder nach Fronleichnam?) geboren war. Der achtzigjährige Stiefvater des dalbergischen Hofmannes, Kaspar Gesell aus Zürich, stand im Rufe, ein solches Sonntagskind zu sein und Geister sehen zu können. Doch im Spiegel sah er nichts, denn er war einige Tage vor Fronsonntag geboren. Aber in Mommenheim wohnte ein Palmsonntagskind, Nikolaus Biermann, der früher Landwirt gewesen war, sich aber jetzt durch Bettelei ernährte. Man erzählte ihm von Reichards Schatz und von dem Schatz, der im dalbergischen Schloß "unter der Schwindelsteg" (Wendeltreppe?) liege, und er war bereit die Probe zu machen. Er sah in den Spiegel und behauptete, sowohl Reichards Schatz wie den im Schloß zu sehen. Im Schloß war es eine weiße Kiste, die von einem dort umgehenden schwarzen Mann gehütet wurde, in Reichards Garten ein Kessel, dessen Ringe deutlich erkennbar waren, bewacht von einem weiß und grauen Männlein.
Einer sofortigen Nachgrabung standen aber noch Hindernisse entgegen. Zunächst war der Boden noch fest gefroren; dann waren die Eheleute Reichard in Zank geraten, weil die Frau die Hälfte des Schatzes für sich beanspruchte; schließlich weigerte sich Biermann, den Schatz genau zu bezeichnen, weil er fürchtete, daß man ohne ihn grabe und er seinen Anteil verliere (und weil die Grabung jedenfalls seinen Schwindel zutage bringen mußte!). Inzwischen war der Ruf des Hexenmeisters Schalk auch nach Mommenheim gedrungen, und man verlangte ihn dort dringend, weil die Sage ging, daß in der alten Nazariuskirche auf dem nahen Berge ein Schatz verborgen sei. Hier - und zwar auf Wilhelm Bönnigs Speicher - versuchte er mit dem Christophorusgebet, das eine mühelosere Erwerbung des Schatzes versprach.
Um einen Tisch, der das Beschwörungsbuch trug, stellten sich Schalk, sein hinzugezogenen Sohn und Biermann auf. An Nägeln, die man in den Boden eingeschlagen hatte, wurde mit geweihter Kordel ein dreimaliger Kreis um den Tisch und die Versammelten gezogen. Schalk bezeichnete die Anwesenden mit dem heiligen Zeichen INRI und besprengte sie mit Weihwasser, damit ihnen der böse Feind nicht schade. Neben dem Zauberkreis stand ein neuer Zuber, mit einer neuen Ackerleine an den Ohren befestigt und auf Rollen gesetzt; denn der Geist sollte den Schatz herzubringen und in den Zuber schütten und man wollte ihn dann in den schützenden Bereich herüberzeiehen. Schalk las dann das zauberkräftige Gebet an die Dreieinigkeit und den heiligen Christoph. Während der Handlung durfte keiner der Anwesenden reden, speien, um sich sehen oder den Kreis verlassen, damit der Feind - zu dessen Bekämpfung man auch von einem jungen Mädchen geschnittene Haselruten bei der Hand hatte - keinen Schaden zufügen könne.
Fünf Abende wurde der Zauber geübt, nichts kam. Nur einmal zwischen 11 und 12 Uhr hörte man ein grausiges Gerumpel.«
Quelle: Volk und Scholle. Heimatblätter für beide Hessen, Nassau und Frankfurt a. M. Vierter Jahrgang. Darmstadt 1926, S: 309-312.
Fortsetzung folgt ...
11.12.02
Inhaltsverzeichnis des neuen Heimatjahrbuchs 2003 Landkreis Alzey-Worms
»[...]Theatergruppen im Landkreis Alzey-Worms
Kulturvereine der Region: „Bretter, die die Welt bedeuten" -Theater auf dem Lande, Gisela Pieterek
Die Dautenheimer Bembelsänger, Gisela Pieterek
Laienspielgruppe Inge Lind, Alsheim, Kurt Luckas
Die „Bunte Bühne Armsheim“, Gisela Pieterek
111 Jahre Theater- und Carnevalverein Bechtolsheim, Dr. Johannes Zimmermann
Theatergruppe in Eppelsheim: Freilichtbühne Eppelsheim — Gestern und heute, Waltraud Hoffmann
Theatergruppe der Landfrauen Erbes-Büdesheim: „Alles aus eigener Hand“, Gisela Pieterek
Armsheimer Puppenbühne: Zauberhafte Märchenwelt für Große und Kleine, Gisela Pieterek
Theatergruppe im Gau-Weinheimer Bürgertreff, Gisela Pieterek
Theatergruppe Rommersheim, Gisela Pieterek
Guckkastenbühne Saulheim - Theatertradition im TuS 1897 Saulheim, Gisela Pieterek
Laienspielgruppe des MGV „Cäcilia" Gimbsheim, Kurt Luckas
10 Jahre Theatergrupe Wöllstein - (1992-2002), Lutz RuppersbergerDie Region entwickeln
Ein neuer Verein stellt sich vor - Rheinhessen-Marketing e.V., Wilhelm Gerlach
Alle Geschichtsvereine in einem Internetportal, Leonie Münzer
Der virtuelle Marktplatz der Kreissparkasse Alzey, Franz Horch und Oliver Schneider
Der neue Herausgeber des Heimatjahrbuches stellt sich vorProjekte der Verbandsgemeinden
Projekte der Verbandsgemeinde Alzey-Land, Iris Linnebacher und Andrea Abel
Verbandsgemeinde Eich, Cornelia van der Hout
Neue Herausforderungen für die Verbandsgemeinde Westhofen, Carsten Bach
Der südliche Wonnegau im Aufwind, Michael Kissel
Verbandsgemeinde Wörrstadt: Wohlgefühl-Landschaft mit guter Infrastruktur, Ina KöhlerAus der Geschichte unserer Heimat
Magister Friedrich Christian Lauckhard, Martha Otto
Johannes Neeb: Philosoph, Priester, Bürgermeister und Landwirt, Felix Zillien
Die Bedeutung von Münzen in der Antike und die weitere Entwicklung auf deutschem Boden bis hin zum Ende der Deutschen Mark, Heribert Erbes
„Chronika" des Carl Philipp Feudner, von 1766-1865, Friedrich Gebhard
Generalstabsarbeit an der Pilgerwiese oder die entsprungene Hexe, Julius Grünewald
Rheinhessen von unten gesehen — Eine Betrachtung aus dem Jahre 1835 Dr. Adolf Wild
Die Wachenheimer Burgen — das Ober- und Unterschloss, Karl Würth
150 Jahre Evangelische Ludwigskirche in Schornsheim, Kurt Rainer Klein
Die kleinen Rätsel der Trulli, Ulrich Zink
Die italienischen Kaufleute in Schornsheim im 18. Jahrhundert, Walter Schwamb
Das Wunder von Partenheim, Thomas ThörleWir stellen Gemeinden des Landkreises vor
Freimersheim, Dr. Manfred Halfer
Gabsheim - Gegenwart und Vergangenheit, Erich Kreit
Gau-Bickelheim — der beliebte Weinbauort in Rheinhessen, Peter Hollenbach
Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz an Kurt Luckas aus Hamm
Jo van Alsen wird 80 Jahre alt, Karl-Theo GöhringAlte Rathäuser im Landkreis Alzey-Worms
Das Rathaus in Armsheim, Felix Zillien
Das Rathaus von Offstein, Helmut Zorn
Das Rathaus in Wendelsheim, Felix ZillienLandwirtschaft Gestern und Heute
Entwicklung und Bedeutung der Rebsorten in Rheinhessen, H. G. KissingerAus der Kreisverwaltung
Bürgermeister der Städte, Verbandsgemeinden und Ortsgemeinden im Landkreis Alzey-Worms
Auszeichnungen verdienter Persönlichkeiten im Landkreis Alzey-Worms
Feuerwehr-Ehrenzeichen
Landkreis gründet Stiftung für Weiterbildung und Kultur: Kulturarbeit auf neuer GrundlageDas ist schon Geschichte
Jahresausblick 2001/2002, Thomas DixNatur und Umwelt
Das Selztal: Eine Landschaft im Wandel, Dr. Willy Schuy
Meeresbrandung im Mainzer Becken, Dr. Winfried Kühn
Naturschutz und Landschaftspflege, Dieter Gräfenstein
Öko-Audit im Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Alzey-Worms, Katja TeichertAus der Postgeschichte
Ein Postmuseum für Rheinhessen, Manfred HinkelAus unserer Zeit
Der Beller Markt, Gisela Pieterek
50 Jahre Volkerschule, Walter Heeb
Meine Gymnasialzeit in Alzey (1947 bis 1956), Ernst Mayer
Wasser ist Leben: Brunnen in Flonheim und Uffhofen, Ilse Ruth LehmannJubiläen - Ehrungen
Verleihung der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz an Rektor i.R. Karl MetzgerRheinhessisches Allerlei
Das Schwein des Bürgermeisters: Ein Zeitzeugenbericht, Günter Stauffer
Isch hunn schunn aans!, Maria Bengtsson Stier
Der Kaiser hat einen Vogel, Theodor Weißenborn
Mein erstes Motorrad, Karl-Theo Göhring
Nicht für eine Million!, Günther Stauffer
Grossvaters Ziergras!, Maria Bengtsson Stier
Ein Brief an das Christkind... und seine Folgen, Karl-Theo GöhringBuchbesprechungen
Lutz Ruppersberger/Felix ZillienGedichte
Buntes Kleid und rosa Schuhe, Ursula Geeb-Grode
Der Baum im Jahreslauf!, Edith Julius
Die Abnehmkur!, Edith Julius
Ein Wunschtraum!, Maria Bengtsson Stier
Kastanienbaum, Ursula Geeb-Grode«
Heimatjahrbuch 2003 Landkreis Alzey-Worms. 38. Jahrgang. Herausgegeben vom Förderverein für Kultur und Bildung e.V. Alzey 2002
10.12.02
Neuerscheinung: Wolfgang Bickel: Weinbergshäuser: Urformen der Baukunst im Südwesten Deutschlands
»Gewölbte Weinbergshäuser auf kreisförmigem und rechtwinkligem Grundriss bilden im Südwesten Deutschlands eine Gruppe architektonischer Urformen. Archaisch erscheinende Gestalt und das nahezu durchgängige Fehlen datierbarer Stilelemente veranlassten wiederholt zu kühnen Spekulationen hinsichtlich Ursprung und Vermittlung dieser Bauformen, als deren eigentliches Verbreitungsgebiet der Mittelmeerraum gilt. Entscheidende Voraussetzung aller möglichen Herleitungsspekulation war die mangelnde Kenntnis der örtlichen Bautraditionen.Quelle: Klappentext; Wolfgang Bickel: Weinbergshäuser: Urformen der Baukunst im Südwesten Deutschlands. Worms (Wernersche Verlagsgesellschaft mbH) 2002, 107 S., zahlreiche, z.T. farbige Abbildungen, 14,80 EURMit der vorliegenden Bearbeitung des Themas wird der gesamte Bestand gewölbter Weinbergshäuser Südwestdeutschlands vorgestellt. Von allen entsprechenden Bauten finden sich fotografische Aufnahmen, Querschnittszeichnungen mit Maßangaben, Kurzbeschreibungen und Standortangaben auf dem jeweils in Frage kommenden Ausschnitt der topografischen Karten, - so dass das Buch auch als genauer Führer zu den oft versteckt liegenden Häusern dienen kann.
Durch das Heranziehen analogen Bauformen, entsprechender Gewölbekonstruktionen und historischer Quellen wurden die Bedingungen, unter denen diese Bauten entstanden, aufgedeckt. Die Entstehungsgeschichte wirft ein Licht auf die besonderen Bedingungen des Weinanbaus in dieser Landschaft im 18. Jahrhundert - denn dieser Zeit entstammt ein Großteil der gewölbten Weinbergshäuser. Sie entstanden demnach in derselben Zeit wie die vergleichbaren Bauten der Provence und Apuliens, obgleich eine Vermittlung der Bauform unwahrscheinlich ist. Neben der Herleitung aus den Bautraditionen der Landschaft wird auch dieser Frage nach der Gleichzeitigkeit des Gleichen nachgegangen.«
In seiner Bestandsaufnahme finden sich folgende Orte Rheinhessens und angrenzender Gebiete: Albig, Bermersheim (bei Westhofen), Bissersheim, Bockenheim, Dittelsheim-Heßloch, (Nieder-)Flörsheim-Dalsheim, Flonheim (mit Uffhofen), Framersheim, Gau-Heppenheim, Gau-Odernheim, Gernsheim, Grünstadt, Gundersheim, Kindenheim, Monsheim (mit Kriegsheim), Ober-Flörsheim, Offstein, St. Johann, Siefersheim, Stadecken-Elsheim, Uelversheim, Wachenheim/Pfrimm, Wendelsheim, Westhofen und die Wormser Stadtteile Heppenheim an der Wiese, Herrnsheim und Pfeddersheim.
09.12.02
Rheinhessenarchiv für Sachsen, Schwaben und andere Hessen :-)
Ja, das Weblog von Netbib.de hat mich darauf gebracht: Skripte, mit denen man seine Homepage ins Sächsische oder Schwäbische übersetzen lassen kann. Das ist klasse! Versuchen Sie mal diesen (Rheinhessenarchiv sächsisch) oder diesen (Rheinhessenarchiv schwäbisch) Link. Um eine andere Seite zu übersetzen, muss nur der Link http://unimut.fsk.uni-heidelberg.de/unimut/schwob?schwob_url=http:// oder http://slioch.mathematik.uni-halle.de/~iakd0/cgi/Saxophone.cgi?translate_url=http:// am Ende um die Webadresse der Ursprungshomepage ergänzt werden.
Ach ja, eine hessische Version gibt es auch!
08.12.02
Rheinhessenarchiv als Quelle für universitäres Praktikum!
»[...] Aufgabenstellung Entwickeln Sie ein Software-Werkzeug, das Hobbyforschern hilft, die im Rahmen von Familien- und Stammbaumforschung anfallenden Daten zu verwalten und aufzubereiten. Das Werkzeug muss typische Daten wie Personen, Häuser, Orte und Ereignisse wie Hochzeiten, sowie deren Beziehungen verwalten können. Das Werkzeug muss mindestens folgende Sichten auf die Daten bieten: Personenlisten, Häusersichten, Ahnentafeln und Nachkommenstafeln. Das Werkzeug soll mehrere Stammbäume gleichzeitig verwalten können und Abfragen zwischen zwei Stammbäumen ermöglichen (z.B. Sind zwei Personen verwandt?, Welche Teile der Stammbäume überdecken sich?) Das Werkzeug muss Diagramme und Listen am Bildschirm anzeigen und drucken können. [...] Werkzeugübersicht http://links.rheinhessenarchiv.de/links/Software/Genealogie-Software/ [...]«J. Pichler, Praktikum Software Engineering, Werkzeug für Familien- und Stammbaumforschung Universität Linz (Österreich)
Es wäre interessant zu erfahren, was sich die kreativen Studenten in Linz zur Lösung ihrer Aufgabe ausgedacht haben ...
07.12.02
Von Quacksalbern, Steinschneidern und Chirurgen - Ausstellung in Bingen
»"Mit diesem Instrument sollst Du die Hirnschale wieder auftreiben, wenn sie eingeschlagen ist": Es ähnelt schon ein bisschen einem Korkenzieher, jenes Gerät, das der berühmte Chirurg Hans von Gersdorf im "Feldbuch der Wundartzney" von 1535 seinen Ärztekollegen für Kopfoperationen empfiehlt. Doch noch weitaus Ungewöhnlicheres hielt man damals für medizinisch sinnvoll: Die "Heylsame Dreckapotheke", ein medizinisches Hausbuch von 1696, versprach die meisten Krankheiten mit Fäkalien zu kurieren. Erst langsam wurden Anatomie, Chirurgie und Pharmazie zu anerkannten wissenschaftlichen Disziplinen, die mit den Quacksalbereien und dem medizinischen Wunderglauben des Mittelalters brachen.Diese Umbruchsphase in der Geschichte der Medizin ist Thema einer kleinen, von dem Binger Urologen Dr. Wolf-Dieter Gronki anlässlich seines Praxisjubiläums initiierten Sonderausstellung im Museum am Strom. «
Quelle: Homepage der Stadt Bingen am Rhein
Die Ausstellung läuft noch bis 29.12.2002. Mehr Infos ...
06.12.02
Sankt Nikolaus
»Zu den volkstümlichsten Heiligen Süddeutschlands gehört ohne Zweifel Sankt Nikolaus, dessen Fest am 6. Dezember gefeiert wird. Wenn "Pelznickel" von Kopf bis zu Fuß vermummt als langbärtiger Greis mit einem Sack voll Nüssen auftritt, so bedeutet das nichts anderes, als den persönlich gedachten Winter. Schon in vorchristlicher Zeit ist er gefeiert worden, bis die Kirche das altgermanische Fest in ein solches des Kinderbischofs umwandelte und sich die entsprechenden Legenden dazu herausbildeten. Was dazu gehörte, kann man zum Beispiel in der Nikolauskapelle des Wormser Doms sehen. Dort befinden sich mehrere Steinbildwerke aus dem Leben des Heiligen. So ein Schiff mit Insassen, das ein böser Geist in den Meeresgrund stoßen will, gemäß der Legende: Schiffer hätten einst den Heiligen in ihrer Not angerufen, der auch erschienen sei, das Ruder ergriffen und das Schiff glücklich ans Land gebracht habe, wo er verschwand. Ferner ist der Heilige mit drei Kindern abgebildet, welche nach ihrer Ermordung in einem Faß verborgen worden waren, aber durch den Heiligen wieder zum Leben erstanden. Eine Zeitlang spielte auch der ölschwitzende Finger des heiligen Nikolaus in der Nikolauskapelle des Wormser Doms eine große Rolle, was aber wieder aufhörte, als die Reliquie eines Tages spurlos verschwunden war.Die Volkstümlichkeit des Heiligen zeigt sich auch in seiner Wahl als Schutzpatron. Als Kirchenheiligen findet man ihn außer in Worms auch noch in Alzey, Bingen, Dautenheim, Dienheim, Mainz, Mombach, Mölsheim, Oppenheim und Gau-Algesheim. In Gau-Algesheim zogen die Weinschröter alljährlich am 6. Dezember nach der alten Nikolauskapelle, um dort ihren Nikolausimbiß abzuhalten. Die größte Verehrung genoß der Heilige unstreitig in Mainz, was jedenfalls auf die zahlreiche dort ansässige Schifferbevölkerung zurückzuführen ist. In St. Ignaz wurde im 18. Jahrhundert der Nikolaustag alljährlich durch Predigt und Hochamt um 9 Uhr gefeiert. Kein Schiffer begann vor Schluß der Feier sein Tagewerk auf dem Rhein. Weit zurück geht auch die Verehrung des Heiligen durch die Kinder. Insbesondere sind es die Schüler, die am 6. Dezember einen aus ihrer Mitte zum Bischof wählten, der dann im Ornat in der Domkirche seinen Mitschülern auf komische Weise den Segen erteilte, wobei es häufig zu recht groben Ausschreitungen gekommen ist. Bis in die Neuzeit war es ferner üblich, daß am 6. Dezember gebackene "Nikolause" verkauft wurden und daß man sich an seinem Namenstag als Vorfeier zum Weihnachtsfest etwas bescherte. Viele Erwachsene fanden auch eine Freude daran, am Vorabend des Nikolaustags den "Nikelos" zu machen, die Kinder zu beängstigen, unartige mit der Rute zu bestrafen und schließlich alle, wenn sie schön beten konnten, zu beschenken. Für die Kinder war es dann eine besondere Erwartung, wenn sie von der Mutter bei beginnender Dunkelheit ans Fenster geführt wurden, um zu sehen, ob nicht der Heilige mit seinem Eselein vorüberziehe. Gern hielten sie dem Eselein ihr Vesperbrot als Erquickung bei seinem nächtlichen Rundgang bereit. Kam er dann nicht, so waren sie auch zufrieden, weil die Mutter sagte, Nikolaus habe sie verschmäht, weil sie nicht brav genug gewesen seien oder weil das Eselchen mit seinem Sack in den Dreck gefallen sei.
Bei größeren Knaben dagegen war es üblich, daß sie am Nikolaustag - ähnlich wie an Allerheiligen - die "feurigen Männer" auf Stangen herumtrugen, das waren ausgehöhlte Rüben, in die ein Gesicht geschnitten war und die in ihrem Innern ein brennendes Licht bargen. Dazu wurde gesungen:
Feuriger Mann, feuriger Mann, wo bist du dann?
Sitzt hinterm Owe, raacht sein Klowe,
Sitzt hinnern Disch, ißt sein Fisch.So hat der weißbärtige Alte seit Jahrhunderten den Mainzern manche frohe Stunde bereitet. Daß sie dafür nicht undankbar waren, bewies der alte Besitzer des Hauses "Zum Silberberg". Er ließ hoch über dem Dächermeer der Stadt eine schmiedeeiserne Wetterfahne aufstellen, die den Heiligen zeigt, wie er den Anker hält, zur Seite die Bütte mit den drei Kindern, als ein Symbol, daß St. Nikolaus nicht nur bei den Schiffern und Kindern, deren Patron er ist, geehrt wird, sonern von der ganzen Stadt.«
Aus: Wilhelm Müller: Rheinhessisches Heimatbuch. 2. Teil. Darmstadt 1924 (Hessische Volksbücher, 52-54), S. 123-125.
05.12.02
Ausstellung Arbeitskreis Ortsgeschichte zum Weihnachtsmarkt
»Der Arbeitskreis Ortsgeschichte [Klein-Winternheim] möchte zum diesjährigen Weihnachtsmarkt [8.12.2002, 14.00-19.30 Uhr, Andreasplatz] seine bereits zur Kerb gezeigte Ausstellung im Gemeindezentrum wiederholen.Gegenstand dieser Ausstellung ist zum einen eine umfangreiche Sammlung alter Postkarten. [...]
Zum anderen werden - aus Anlass der diesjährigen Partnerschaftsfeier - historische Dokumente sowie Fotos aus der Napoleonischen Zeit vom deutsch-französischen Krieg 1870/71, der Besatzungszeit nach dem 1. Weltkrieg und der Besatzungszeit nach dem 2. Weltkrieg gezeigt. [...]
Die Ausstellung ist während des gesamten Weihnachtsmarktes geöffnet.«
Quelle: Nachrichtenblatt der VG Nieder-Olm vom 05.12.2002
Ancestry.com bietet kostenloses Genealogie-Programm an
Das Programm Ancestry Family Tree kann hier kostenlos heruntergeladen werden.
Wer einen Zugang zur Ancestry.com-Datenbank hat, kommt in den Genuß des besonderen Features dieses Programmes: Alle eingegebenen Personen werden auf ihr Vorkommen in den Datenbanken (1,5 Milliarden Datensätze) geprüft, sodaß man sich bei Übereinstimmung die passenden Datensätze herunterladen kann. Ob das sinnvoll ist, wenn man diese Daten ungeprüft übernimmt, mag dahingestellt sein. Dennoch hat man ggf. die Möglichkeit, mit anderen Forschern Kontakt aufzunehmen und die Daten zu hinterfragen. In der Installation ist ein kostenloser Zugang zu allen kostenpflichtigen Ancestry-Datenbanken für 7 Tage integriert; wer gut aufpasst, bekommt gelegentlich weitere freie Zugangsmöglichkeiten angeboten. Gerade in der Vorweihnachtszeit hat Ancestry schon mehrfach alle Datenbanken für zwei Wochen geöffnet.
Das Programm ist in englischer Sprache erhältlich und benötigt ca. 10 MB Festplattenspeicher. Gedcom-Import ist möglich. AFT schreibt in die gleiche Datenbank wie PAF (Version 3 und 4), sodass man parallel (aber nicht gleichzeitig) mit beiden Programmen arbeiten kann.
