14.03.03

Fehlverstand oder Feuersbrand? - Die Inschrift am Rathaus zu Kettenheim

Wahrzeichen der Gemeinde Kettenheim ist das 1686 erbaute ehemals Rathaus, das zur Zeit einer Renovierung unterzogen wird. Im Obergeschoß des schmucken Fachwerkgebäudes wurde bis vor einigen Jahren katholischer Gottesdienst gefeiert. Der Fenstererker auf der Straßenseite trägt einen Spruch, der in der 1997 erschienenen Chronik der Verbandsgemeinde Alzey-Land von zwei Autoren unterschiedlich wiedergegeben wird: "GOTT GEB GLÜCK UND SEGNE VATERLAND, BEHÜTE UNS VOR KRIEG UND FEHLVERSTAND 1686" (S. 71) oder "Gott gebe Glück und segne unser Land, bewahre uns vor Krieg und Brand. Erbaut 1686" (S. 153). Wer von beiden hat recht? Uns hat diese Frage keine Ruhe gelassen, und so haben wir am heutigen sonnigen Nachmittag die Inschrift fotografiert. Sie lautet: "GOTT GEBE GLÜCK, UND SEGNE UNSER LAND BEWAHRE UNS VOR KRIEG UND FEUERSBRAND 1686".

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Vor 90 Jahren wollte die Gemeinde das alte Rathaus abreißen, die Pläne wurden jedoch auf Betreiben des Denkmalpflegers glücklicherweise verhindert. In seinem Bericht vermerkte P. Meissner über die Angelegenheit: "KETTENHEIM. Das Dorf Kettenheim besitzt noch ein sehr interessantes Gemeindehaus, das, in der Hauptstraße des Ortes dicht vor der Kirche gelegen, mit dieser ein überaus malerisches Straßenbild bietet. Der Unterstock, der aus Stein ist, dient gegenwärtig zur Aufbewahrung der Feuerspritzen. Der Oberbau ist ein Fachwerksbau mit alemannisch verzierten Fenstererkern. Das ganze Haus ist in einem sehr verwahrlosten Zustand, und da es an einer sehr verkehrsreichen Straßenkreuzung lag, beabsichtigt die Gemeinde, es zur Erweiterung der Straße vollständig niederzulegen. Da durch die Ausführung dieses Beschlusses aber ein sehr wertvolles Baudenkmal verschwunden wäre, wurde gegen dieses Vorhaben vom Kreisamt und vom Denkmalpfleger Einspruch erhoben. Durch den Großh. Kreisbauinspektor wurde ein genauer Voranschlag für die Wiederherstellung aufgestellt, der sich auf ungefähr 1500 Mark belief. Der Gemeinde kann zwar nach dem Denkmalschutzgesetz die Unterhaltung des Gebäudes in Dach und Fach angesonnen werden, aber die Kosten der Wiederherstellung überschritten diese Grenze doch wesentlich. Es wurde deshalb ein außergewöhnlich hoher Staatszuschuß von 1000 Mark bewilligt, so daß die Erhaltung dieses schönen und wertvollen Baudenkmals nunmehr bei den dankenswerten Bemühungen des Kreisamts und der Unterstützung des Staates gesichert erscheint.Die Arbeiten sollen im nächsten Jahr ausgeführt werden." (Jahresbericht der Denkmalpflege im Großherzogtum Hessen, Bd. 3, Darmstadt 1914).

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Übrigens wurde heute in Kettenheim der 94jährige Landwirt und Genealoge Gustav Lampe begraben, der als junger Mann die reformierten Kirchenbücher der Pfarrei Kettenheim verkartet hatte. Leider verbrannte seine Kartei 1944 bei einem Luftangriff im Staatsarchiv Darmstadt.

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Anmerkungen