23.02.03
Verhör des Johannes Bückler, Schinderhannes genannt. [Teil 18]
123) Wo streicht denn der Johann Adam, Korbmacher vom Ueberrhein, herum?
Antw. Es ist ein Gevatter von dem Scheelen Franz; ich weiß daß er den Weg gegen den Oberrhein genommen hatte, und da er sich in dem Odenwald nicht aufhalten kann, weil er schon mit besagtem Franz in Lindenfels in Verhaft war, so vermuthe ich, daß er den Weg gegen Schwaben genommen hat; ausser seinem Korbmacherhandwerk treibt er auch noch den Porcellanhandel; es ist ein Mann von mittlerer Größe, aber stark, schwarze runde Haare, er ist verheirathet und hat seine Frau bei sich; ich weiß aber nicht ob er Kinder hat.
124) Wer ist dann der Georg Müller mit dem lahmen Daumen?
Antw. Er ist aus dem Niederland und macht mit Pickard den Obersten der bekannten Niederländer Bande.
125) Kennt ihr auch einen Namens Rech von Kallenfells?
Antw. Ja; wir waren oft in seinem Hause; nach dem Hottenbacher Diebstahl haben wir die gestohlenen Waaren zu ihm geschafft; da haben wir uns Kleider davon machen lassen und das übrige haben wir sowohl ihm als einem Kaufmann Namens Joseph verkauft.
126) Wo befindet sich dann Philipp Gilcher von Wisweiler?
Antw. Er ist in Trier guillotinirt worden?
127) Was ist aus dem Jakob Fink geworden?
Antw. Er ist in den Gefängnissen zu Trier gestorben.
128) Wisset ihr nicht, wo der sogenannte Bucherhannes sich befindet?
Antw. Er ist mit Zuchetto auf der Röderbach bei Dronecken angehalten und nach Trier geführt worden; ich weiß nicht was aus ihm geworden ist. Er hat den Namen Bucherhannes, weil er gebürtig aus Buch bei Kastellaun ist.
129) Was ist dann aus dem Namens Knapp von Lipshausen geworden?
Antw. Er ist gestorben.
130) Wer ist dann der Konrad von Damflos?
Antw. Es giebt zween Brüder, von welchen der eine Konrad, der andere Theiß sich nennt und von der Birkenfelder Bande sind; ich weiß aber nicht wo sie sich befinden können.
131) Wißt ihr nicht, wo der Namens Zuchetto, der sogenannte Erzpeter, sich befinden kann?
Antw. Er durchgehet die Gegenden vom Hundsrück und der Eiffel.
132) Wer sind dann diejenigen, welche euch bei dem Versuch zu Horrweiler begleiteten?
Antw. Es war ausser mir, Peter und Philipp Hassinger, Heinrich Walter, diese drei von Iben; Georg Friedrich Schulz, Franz Mundo, Müllerhannes und sein Sohn Hannickel, Adam Berg und Krugjoseph.
133) Kennt ihr den Müller von der Kreutermühl nicht?
Antw. Ja.
134) Welche Gemeinschaft habt ihr mit dem besagten Müller?
Antw. Es ist eines der gewöhnlichen Diebsnester des Müllerhannes; was mich anbetrifft so war ich nicht mehr als zwei oder dreimal in seiner Mühle, das leztemal bin ich mit besagtem Müllerhannes in seine Mühle gegangen, vor der Verrichtung zu Erbesbüdesheim; wir sagten ihm, daß wir den Diebstahl ausüben giengen, und seine Frau antwortete uns daß wenn wir dazu gelangen sollten, das Geld des Juden zu stehlen, so würden wir für Zeit unsers Leben genug bekommen.
Nachdem man dem Angeklagten gegenwärtiges Verhör vorgelesen und auf deutsch ausgelegt hatte, so erklärte derselbe, daß solches treulich niedergeschrieben ist, Wahrheit enthält, und hat mit uns obenbenannten Richter und Kommis-Gressier unterschrieben zu Mainz den Tag, Monat und Jahr wie oben, des Abends um acht Uhr.
Unterschrieben Wernher, Johannes Bückler und Brellinger, Kommis-Gressier, mit Handzug.
Schinderhannes | LinkJahrelang habe ich eine Bestätigung dafür gesucht, dass ein Wiesweilerer Gilcher bei der Schinderhannesbande gewesen sein soll, endlich hier gefunden!
Johann Philipp Gilcher war 1767 in Wiesweiler geboren als Sohn des Schneidermeisters Simon-Jakob Gülcher von Aschbach (geb.1725) und der Margarethe Schreiner, Wwe Lamneck.
Seine Mutter starb im Jahr seiner Konfirmation 1781 und sein Vater ertrank im Dezember 1785 im Glan. Somit war er mit 14 Jahren Halbwaise und mit 18 Vollwaise und ist auf die schiefe Bahn geraten.
Wann wurde er in Trier wohl guillotiniert?
Das Schicksal seines älteren Bruders Johann Adam Gilcher (geb. 1757, konfirm. 1771, Taufpate Jacob Müller von Brücken) ist nach wie vor ungeklärt.
Weitere Details, so eruierbar, wären willkommen.
Hallo Herr Hüttenberger,
leider habe ich Ihren Kommentar erst heute gelesen. Philipp Gilcher wurde am 29. Brumaire IX (20.11.1800) in Trier wegen mehrerer Straftaten - u.a. Beteiligung am Überfall der Schinderhannesbande auf Peter Riegel in Otzweiler - zum Tode durch die Guillotine verurteilt und drei Tage später hingerichtet.
Mit freundlichen Grüßen
Udo Fleck
Von: Udo Fleck am 11.05.03 12:53