22.02.03

Verhör des Johannes Bückler, Schinderhannes genannt. [Teil 17]

113) Hat euch dann der Müller gekannt?

Antw. Ja, wir waren öfters bei ihm um zu essen und zu trinken, aber er hat niemal keine Gemeinschaft mit mir gehabt.

114) Bei eurem lezten Rheinübergang, waret ihr nicht von eurer Magd Marie Eve Berg begleitet?

Antw. Nein, sie ist aber mit Christian Rheinhard un den andern welche sie in dem Hause des Gastwirths Keim zu Eckelsheim angetroffen hat, über den Rhein gegangen.

115) Haben euch besagte Seibel niemal mit gestohlenen Waaren über den Rhein gefahren?

Antw. Ich bin dreimal mit gestohlenen Waaren zu Hamm über den Rhein gefahren.
Erstens; nach dem Merxheimer Diebstahl, damals waren es die Seibel nicht, sondern ein mir unbekannter Greis mit seiner Frau haben mich über den Rhein gefahren. Zweitens; nach dem Diebstahl zu Laufersweiler, damals holte uns ein Schiffmann von Gernsheim auf diesem Ufer. Drittens; nach dem Diebstahl zu Staudernheim, alsdann fuhr einer oder vielleicht alle beide Seibel uns über der Rhein.

116) Wußten die Seibel daß die Waaren mit welchen ihr beladen waret, gestohlen waren?

Antw. Sie konnten es nicht anders glauben, indem sie uns für Diebe kannten; auch haben wir immer drei Livres auf den Kopf für die Überfahrt bezahlt.

117) Habt ihr niemalen gestohlenen Sachen in diesem Hause niedergelegt?

Antw. Nach dem Pferdsdiebstahl auf der Hanenmühl, welchen ich verflossenen Winter mit Johann Müller begangen habe, wollte ich zu Hamm über den Rhein fahren, aber dieser Fluß gieng so stark mit Eis, daß ich davon abgehalten wurde; ich blieb dann mit diesen zween Pferden vier und zwanzig Stunden lang in dem Seibelschen Haus, nach welchen die zween Seibel mich und die zween Pferde über den Rhein führten; die nämliche Seibel haben mich den nämlichen Winter noch einmal mit einem Pferd, welches ich einem Bauern zu Sonschid gestohlen und dem kommandirenden Lieutenant der Gräflich Wied-Runkelschen Truppen, als ich mich lezthin unter selbige anwerben ließ, verkauft habe, über den Rhein gefahren.

118) Wie viel habt ihr besagten Seibel für eure Ueberfahrt über den Rhein mit besagten zween Pferden bezahlt?

Antw. Als ich mit den zween Pferden übergefahren bin, habe ich achtzehn Franken bezahlt; und das zweitemal, wo ich mit einem Pferd in Begleitung des Christian Rheinhard und Georg Michel übergefahren bin, haben wir eine Louisd'or bezahlt.

119) Wer ist dann der Martin Schmitt, Ausreißer der ungarischen Husaren?

Antw. Er streicht gemeiniglich in der Gegend von Kirn herum; er war in Koblenz in Verhaft genommen, ich weiß aber nicht was aus ihm geworden ist.

120) Wisset ihr nicht, wo Karl Engers von Sonschid wirklich sich befindet?

Antw. Er ist durch das Tribunal zu Trier in die Eisen verurtheilt worden.

121) Könnt ihr keine bestimmte Auskunft von Johann Martin Rinkert von Schloßborn geben?

Antw. Er ist von der Haasemühl bei Schloßborn gebürtig; er treibt den Porcellan- und Krämerwaaren-Handel, er hat Weib und sieben Kinder, besucht gemeiniglich den Odenwald, Aschaffenburg, Limburg, Diburg und die Gegenden.

Er hat auch verflossenen Sommer mit dem Scheelen Franz, Johann Adam dem Korbmacher von Ueberrhein und Wilhelm Rheinhard einen Juden von Michelstadt bestohlen.

122) Hat Philipp Arnold von Argenthal nicht noch Brüder?

Antw. Ja, der eine heißt Johann und wohnt in Argenthal, der andere heißt Joseph, welchen ich noch niemal gesehen habe, ein französischer Ausreisser ist, und vor zwei Jahren in einer Mühle bei Kiderich in dem Rheingau sich aufhielt.

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Anmerkungen