21.02.03

Verhör des Johannes Bückler, Schinderhannes genannt. [Teil 16]

Fortsetzung, zu Mainz den 16ten Messidor zehnten Jahrs.

104) Habt ihr nicht vor drei Monat von dem Jakob Schowalter vom Montforterhof, durch einen Drohbrief Geld erpresset?

Antw. Ja, ich habe den Brief selbsten geschrieben; ich war damals von Christian Rheinhard, Johannes Leiendeker und Georg Michel begleitet; der leztere hat den Brief auf den Hof getragen, von wo er achtzehn Louisd'or, welche wir untereinander theilten, brachte.

105) Was bedeuten dann die unten an besagtem Brief gemachten drei Kreuz, und die Worte: "Dieses merkt was es bedeutet"?

Antw. Johannes Leiendeker von Lauschid machte mir in der Zeit, da er noch in besagtem Ort wohnte, einen Jagdpak, auf welchen er ohne mein Wissen den Namen Johannes Durchdenwald und drei Kreuz machte. Seither habe ich mich einigemal dieser Unterschrift und der drei Kreuz bedienet. Sie hatte aber weiters keine Bedeutung.

106) Die Wittib Seibel, die zween Söhne und ihre Tochter Elisabeth von Hamm, kannten sie euch für Johannes Bückler, als ihr bei ihnen waret?

Antw. Ich habe ihnen dieses nicht gesagt; aber sie sollten es durch Johann Nikolas Müller und Georg Friedrich Schulz wissen, indem diese mich sogar mit meinem Namen Hannes ruften.

107) Als ihr damals mit Johannes Leydeker, Johann Martin Rinkert und Krugjoseph in diesem Haus übernachtetet, habt ihr nicht der Elisabetha Seibel ein Halstuch versprochen?

Antw. Ja, sie hat mir Halstücher gefordert, und wir haben ihr zwei oder dreimal jedesmal zwei, unter welchen ein schwarz Seidenes war, gebracht.

108) Wußten dann besagte Seibel daß diese Halstücher von Diebstahl kamen?

Antw. Ich weiß nicht ob sie glaubten daß diese Halstücher gestohlen waren; übrigens muß ich bemerken daß diese Halstücher nicht gestohlen waren; sondern ich sie wirklich in Frankfurt gekauft.

109) Hat Adam Seibel euch nicht Geld in einem seidenen Beutel auf die andere Rheinseite geschaft?

Antw. Nach dem Erbesbüdesheimer Diebstahl bin ich mit dem jungen Boutla nach Hamm gekommen; ich hatte damals zwanzig Louisd'or, welche von diesem Diebstahl herkamen, in einem Sammet-Beutel. Adam Seibel, um die Ausfuhr zu erleichtern, nahm ihn und legte ihn in seinen Nachen. Uebrigens habe ich ihnen nichts von diesem Diebstahl gesagt, und sie konnten folglich nicht wissen daß dieses Geld von diesem Diebstahl herrührte. Als dieses Geld in dem Nachen lag, fuhr ich mit dem jungen Boutla über den Rhein.

110) Als ihr acht Tage vor Ostern das leztemal über den Rhein gienget, waret ihr nicht auch in dem Seibelschen Hause?

Antw. Nein.

111) Wann habt ihr dann eure zwei Flinten dort niedergestellt?

Antw. Ich war's nicht, sondern Christian Rheinhard, Schwarzpeter, die zween Eckard und Johann Adam, Sohn des Hägereiters aus dem Odenwald, welche den nämlichen Tag über den Rhein giengen und welche vor ihrem Uebergang besagte zwei Flinten in dem Seibelschen Haus niederstellten. Eine dieser Flinten gehört einem Namens Weisheimer von Diffenthal und die ander dem Müller auf der Kleemühl bei der Langenbach.

112) Bei welcher Gelegenheit habt ihr dann diese zwei Flinten bekommen?

Antw. Verflossenen Winter wo ich mit Johann Martin Rinkert und anderen Kameraden übergefahren bin; wir ließen unsere Flinten in dem Wirthshaus der Bürger Keim zu Eckelsheim, und der junge Boutla blieb dabei; dieser verkaufte eine dieser Flinten an den Namens Weisheimer von Diffenthal; Weisheimer in Gefolg einer Polizeimaaßregel, machte seine Deklaration auf der Mairie - darum gab er uns ein Kommisgewehr, welches eines derjenigen ist, welche zu Hamm niedergestellt sind; die andere dem Kleemüller zugehörig, ist durch Johann Adam aus dem Odenwald entlehnt worden, um sich derselben auf der Jagd zu bedienen.

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Anmerkungen