26.01.03

Hermann Josef Faber: Notar und Dichter mit Hintersinn

Unter den Grabsteinen auf dem alten Binger Friedhof (in der Nähe der Fachhochschule) findet sich ein Exemplar aus dem frühen 19. Jahrhundert mit einer Inschrift, die viele Jahre Rätsel aufgab:

"Wohl auch die stille Häuslichkeit
Ist eines Denkmals werth!
Ihr sei es hier von mir geweiht.
Und wer die Tugend ehrt,
Auch in dem einfachen Gewand,
Mir, meinem Schatz ist er verwandt!"

Erst nach langer Zeit wurde der Hintergrund des Spruchs gelüftet, der nur vordergründig die Trauer eines hinterlassenen Witwers ausdrückt. Liest man das jeweils erste Wort in jeder Zeile von oben nach unten, ergibt sich statt dessen die wenig schmeichelhafte Aussage: "Wohl ist Ihr und auch mir".

Der Verfasser des Grabspruchs war Notar Hermann Josef Faber. Er wurde 1767 in Mainz geboren und nach seinem Studium 1797 Regierungskommissar bei der französischen Munizipalverwaltung des Kantons Bingen. Im gesellschaftlichen Leben Bingens spielte Faber als Gründer eines Theater sowie eines Kasinos eine wichtige Rolle. Weiterhin schloß er sich der 1809 in Kreuznach gegründeten Loge "Les amis réunis de la Nahe et du Rhin" an und war literarisch tätig. Ausführlich wird hierüber und über die Zeitumstände auf der Homepage der 1867 gegründeten Freimaurerloge "Zum Tempel der Freundschaft" berichtet (unter: "Männer, die Stadtgeschichte schrieben").

Auf einer Nationalgüterversteigerung erwarb Faber die Burgruine Klopp und machte sie der Öffentlichkeit zugänglich. Auf der Homepage der Burg Klopp findet sich eine Anekdote zu einer Begegnung des Burgherrn mit dem österreichischen Kaiser Franz II. von Österreich nach dem Ende der französischen Herrschaft.

Seit 1827 lebte Faber in Mainz, wo er Ergänzungsrat am Obergericht wurde. 1851 verstarb er dort im Alter von 84 Jahren.

tBurgKlopp1850s.JPG

Unsere Abbildung stammt aus "Halenza's Neuestes Rhein-Panorama von Mainz bis Cöln" (um 1850, aus einer rheinhessischen Privatsammlung)

Heimatkunde | Link
Anmerkungen

Vielleicht ist das ein sog. Marterl
siehe
http://www.uni-koblenz.de/~graf/rip.htm

Von: kg am 28.01.03 03:54