25.01.03
Nepper, Schlepper ... [Teil 2]
Heft 60 (Winter) der Vereinsmitteilungen der Hessischen familiengeschichtlichen Vereinigung mit Sitz in Darmstadt berichtet über gleich zwei Fälle von Genealogiebetrug.
Unter dem Titel "Gott verschone uns vor solchen US-amerikanischen Machwerken à la Halbert's Familien-Jahrbuch" nimmt Dr. G. W. Jungblut das "Jahrbuch der Jungblut-Familien International" näher unter die Lupe, das er für 89 DM beim Verlag Numa Corporation in Bath/Ohio erwarb. Sein Fazit: "ein Buch, das niemand braucht, seinem einzigen Grund nach zur Bereicherung des Herstellers dient". Weiter zitiert Jungblut blacksheep.rootsweb.com, wo es zum Verlag heißt: "Halbert's of Bath/Ohio is a subsidiary of Numa Corp., which condones and promotes the illegal and unethical activities of Halberts and many other pseudonyms of the same confidence game".
Noch dreister ist ein Fall, den Dr. Axel W. Gleue schildert. Er bestellte "Die einzigartige Chronik des Gleue Geschlechts" von Wilhelm P. von der Aa für knapp 50 Euro, die neben allgemeinen "wertlosen Auslassungen" eine Liste von 1000 Geburtsdaten vermeintlicher Namensträger enthielt. Eine Überprüfung der Daten ergab, daß sämtliche Einträge sich auf Namensträger Rusche bezogen, die - wohl per Mausklick - einfach in Gleue verändert wurden. Gleue erstattete Strafanzeige.
[Zum Artikel Nepper, Schlepper ... Teil 1]
Unter den weiteren Beiträgen der Vereinsmitteilungen findet sich u. a. ein lobendes Porträt des landeskirchlichen Archivs Kassel der Evangelischen Kirche von Kurhessen und Waldeck. Die dortigen Sperrfristen (Taufen 100 Jahre, Konfirmationen 85 Jahre, Trauungen 60 Jahre, Beerdigungen 30 Jahre) sind - verglichen mit den Bestimmungen des Personenstandsgesetzes und den Benutzerordnungen anderer kirchlicher Archive - sehr liberal.
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