22.01.03
Ahnen zählt der Deutsche gern
Wer sich für Wappen und ihre Geschichte interessiert, will vielleicht auch dieses Buch lesen:
Kilian Heck, Genealogie als Monument und Argument - Der Beitrag dynastischer Wappen zur politischen Raumbildung der Neuzeit, Deutscher Kunstverlag, München 2002, 328 S., 164 S/W-Abb., br., 34,80 EUR.
Es handelt sich hierbei um die Dissertation des Kunsthistorikers Heck, die in der heutigen Druckausgabe der FAZ auf S. 34 besprochen wird.
Bücher | LinkHabe die Besprechung von Milos Vec auch gelesen. Sie wird mit einer unhaltbaren Generalkritik an der Genealogie unserer Tage eingeleitet, die ein "medial inszeniertes Strohfeuer" sei. Na ja, das Strohfeuer brennt immerhin schon seit über 150 Jahren, und das immer heller.
Vec schreibt zu Beginn seiner Rezension: "Derzeit staunt alle Welt über die Renaissance für Genealogie im Internet. Neben Sex, so hört man, sei Familiengeschichte das große Thema des Netzes: Der Laie stöbert und der Fachmann forscht in virtuellen Katakomben verblichener Ahnen. Ob es gar der Wunsch nach historischen Familienbanden in einer zunehmend bindungslosen und ahistorischen Gesellschaft ist, der diese Neugier antreibt? Die These klingt in ihrer Mischung aus oberflächlicher Medienanalyse und unerschütterlichem Kulturpessimismus geradezu bestechend zeitgemäß. Doch gemach, Kulturkritiker: Medien besitzen eine Eigendynamik, die stets auf die Ausnutzung der technischen Möglichkeiten drängt. Die wahre Hochkonjunktur der Genealogie liegt schon einige Jahrhunderte zurück, und sie vollzog sich nicht von ungefähr in einem politisch-juristischen Kontext, der mit dem derzeitigen, medial induzierten Strohfeuer gar nichts zu tun hat...."
Da hat Vec sich wohl von einer FAZ aus 2001 inspirieren lassen, als ein Artikel über die Mormonen die Themen "S** und Genealogie" schon einmal in Zusammenhang brachte. Natürlich nur im Hinblick auf ihre Popularität im Internet.
:-)
Was manche Journalisten in ihren Artikeln übersehen (vielleicht auch mangels echtem Interesse?): Das Internet verschafft uns in der Tat viele Kontakte und Hilfen. Aber das Blättern in alten Dokumenten, sie zu entziffern, zu ordnen und die gelegentlich enthaltenen "Rätsel zu knacken" ist eine Freude, die das Internet nicht bietet und nie wird bieten können. Ohne die Grundlagenarbeit, die schon lange vor dem Internet-Boom und noch immer geleistet wird, gäbe es diese Datenbanken überhaupt nicht.
Von: Melanie Langenhan am 23.01.03 22:13