19.01.03
Verhör des Johannes Bückler, Schinderhannes genannt. [Teil 6]
Fortsetzung, zu Mainz den 11ten Messidor zehnte Jahres
54) Erinnert ihr euch noch der Margaretha Bläsius, Schwester eurer angeblichen Frau und welchen Antheil hat sie an eurem Verbrechen genommen?
Antw. Ja, ich erinnere mich noch dessen; ich habe ihre Bekanntschaft auf dem Wikenhof bei Kirn gemacht, allwo sie Musik machte: etliche Tage nachher schikte ich den Feldschüz von Dikesbach in ihres Vaters Haus um sie einladen zu lassen, zu mir in den beim Reidenbacher-Hof gelegenen Wald zu kommen. Sie kam wirklich mit ihrer Schwester Juliane, und weil diese leztere mir besser gefiel, so ließ ich die Margareth meinem Kammeraden Dalheimer: sie hat etliche Wochen lang die Gegenden mit uns durchstrichen, aber keinen thätigen Antheil an unseren Verbrechen genommen.
55) Kennt ihr auch eine Namens Margaretha Berg, welche in der Eigenschaft als Magd bei Christian Rheinhard war?
Antw. Ja, im Jahr achtzehnhundert eins, war sie Dienstmagd bei besagtem Christian Rheinhard und strich mit ihm in der Wetterau, in der Gegend von Limburg und Diburg herum: ob sie einigen Antheil an seinen Verbrechen genommen, ist mir unbewust; ihre Schwester Marie Eve ein Mädchen von dreizehen jahren, war in der nämlichen Eigenschaft bei meiner Frau, bis zur Zeit wo ich mich letzthin in Limburg anwerben ließ. Sie wußte wohl daß ich der Schinderhannes war: sie hat aber keinen thätigen Antheil an meinen Verbrechen genommen. Der Vater dieser zwei Mädchen heißt Adam Berg; es ist ein alter hinkender Mann und spielt die Klarienette, aber sein Haupthandwerk ist auf den Märkten zu stehlen. Ich weiß dieses aus seinem eignen Mund. Was mich anbetrift, ich habe keine Gemeinschaft mit ihm, ausgenommen den Diebstahls-Versuch zu Horrweiler. - Der nämliche Adam Berg war auch einmal in Meisenheim angehalten und nach Oberstein geführt worden, wo er entwischt ist; er war ebenfalls (zu deutscher Zeit) zu St. Goar so wie auch zu Limburg an der Lahn arretirt, hat aber immer Mittel zu entwischen gefunden; ich weiß übrigens nicht, warum er diese verschiedene Verhaftungen ausgestanden hat; sein Sohn Johannes Berg ist durch die Gebrüder Zerfas von der Langenhek bei Limburg an der Lahn getödtet worden; ich füge endlich hinzu, daß dieser nämliche Berg noch einen Sohn hat, der sich Franz nennt und in einem Dorfe bei Kirchenboland wohnhaft ist. Ich kenne diesen leztern nicht persönlich und ich weiß es nur aus der Erzählung seiner Schwester, welche bei mir gedient hat.
56) Der Namens Georg Michel von welchem ihr in eurer Antwort auf die fünf und dreißigste Frage gesprochen habt, nimmt er auch bisweilen den Namen Franz Joseph Vetter an?
Antw. Nein, und ich kenne niemand der sich so nennt.
57) Habt ihr keine Wissenschaft von dem in der Nacht vom sieben und zwanzigsten auf den acht und zwanzigsten April lezthin bei dem Pfarrer Lindenborn zu Neuenkirchen auf dem rechten Rheinufer verübten Diebstahl?
Antw. Auf das lezte Osterfest war ich mit Christian Rheinhard, Christoph und Jakob Gerhard, wie auch Peter Petri der sogenannte Schwarzpeter und Johann Adam, Sohn eines Hägereiters aus dem Odenwald, in dem Wald bei Wildenburg; ich füge hinzu, daß Krämer Antons Joseph von Feil auch bei uns war; den Montag sind wir in den Wald bei dem Mittel-Reidenbacherhof gegangen; den Dienstag haben wir uns in die Steinalp in den Waldbezirk, auf dem Borg genannt, begeben. Den Mittwoch sind wir nach Hundsbach gegangen, wo wir den Tag über in des Peter Allenbachers Scheuer waren. Den Donnerstag sind wir auf den Steinerterhof zwischen Sobernheim und Bekelheim gegangen.
Von da haben wir uns den nämlichen Tag auf den Eisenhammer zu Grevenbach in dem Sonwald begeben. Freitags Nachmittag habe ich mich von den andern getrennt und bin auf den Hünerhof zurük gegangen; Krämer Antons Joseph war bei mir; ich habe diesen leztern Samstags verlassen und habe mich nach Hundsbach begeben, wo ich mit Peter Allenbach von Hundsbach welcher mich bis an den Stall führte, ein Pferd gestohlen habe. Ich habe den Weg über Rehborn nach Ekelsheim genommen, allwo ich das Pferd bei einem Namens Grothe ließ. Ich sezte meinen Weg gegen Hamm fort, wo ich den Dienstag über den Rhein fuhr und zu Kleinrohrheim bei einem Wirth Namens Maus die anderen, nämlich: Christian Rheinhard, Christoph und Konrad Ekard, und Schwarz-Peter wieder antraf; der Namens Johann Adam hatte den Morgen vor meiner Ankunft schon Kleinrohrheim verlassen. Crote welcher ein Saamenhändler ist hatte einen Karch mit dieser Waar beladen, und selbigen mit obigem Pferd nach Kleinrohrheim auf die andere Rheinseite geführt, allwo er mir selbiges zustellte.
Ich habe von den andern gehört, daß nachdem ich sie verlassen hätte, sie in der Nacht vom Freitag auf den Samstag zu Spall auf dem Hundsrück zwei Pferde gestohlen, und diese zwei Pferde in den bei Lemberg gelegenen Wald geführt haben, und daß der Eigenthümer welcher sie verfolgt hatte diese zwei Pferde in besagtem Wald wieder gefunden hat. Wornach sie in der Nacht von Samstag auf den Sonntag ihren Weg nach Ekelsheim nahmen, wo sie bei einem Namens Keim, Wirth, der sie so gut als mich kannte, den Tag über geblieben, welcher aber übrigens keinen Antheil an meinen Verbrechen genommen hat. Von Ekelsheim sind sie in der Nacht vom Sonntag auf den Montag nach Bibelsheim gegangen, wo sie den Tag bei dem Wirth im Ochsen zubrachten, bei welchem wir, so oft wir durch diese Gegend reißten, wohnten. Von Biebelheim sind sie nach Hamm gegangen, wo sie Dienstags in aller früh über den Rhein fuhren, und den nämlichen Tag haben wir uns zu Kleinrohrheim wie schon gesagt, wieder getroffen. Die andern haben Kleinrohrheim den Abend des nämlichen Tags verlassen und sind nach Semm bei Umbstadt gegangen. Ich bin ihnen Mitwoch Nachmittags nachgefolgt und habe sie Donnerstags in besagtem Semm bei Umbstadt angetroffen, wo sie die Nacht auf dem Speicher eines Bauern Namens Knell zugebracht hatten, bei welchem ich auch mein Pferd, welches ich dem Jud Namens Jekuf von Diburg verkauft habe, einstellte.
Ich beweise durch diese umständliche Beschreibung dieser Reise, daß es unmöglich ist, daß ich oder einer meiner Kameraden den besagten Diebstahl hätten begehen können. Ich habe dennoch einige Auskunft über den Diebstahl zu geben.
Nachdem ich mich von Kleinrohrheim nach Semm begab, passirte ich über Seheim; da ist es daß mir der Wirth, bei welchem ich einkehrte, die erste Neuigkeit des zu Neunkirchen begangenen Diebstahls mittheilte. Einige Tage nach meiner Ankunft zu Semm, war ich im Gasthaus zum Engel, wo ich einen gewissen Maus aus besagtem Ort angetroffen habe, welcher mir bekannt war, weilen er gestohlene Effekten, insbesondere von Georg Friederich Schulz, damals in Umbstadt und itzt in Mainz gefangen sizzend, gekauft hatte. Dieser Maus sagte mir, daß der Namens Feist von Habitsheim, des Gersons Knecht von Großzimmern, des besagten Gersons zween Schwäger welche zu Niedersaulheim auf dem linken Rheinufer wohnen und vier andere Juden von dieser Seite, endlich ein Bauer von Großzimmern, welcher, wenn ich mich nicht irre, der Sohn des Fleischmanns ist, den fraglichen Diebstahl begangen haben. Übrigens wird die Frau bei welcher Georg Friederich Schulz damals in Großzimmern angehalten worden ist, nährere Auskunft geben können, dann sie ist die Vertraute des Georg Friederich Schulz und obengesagter Gerson.
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