18.01.03
Verhör des Johannes Bückler, Schinderhannes genannt. [Teil 5]
46) Kennt ihr auch den Philipp Schik von Hallgarten?
Antw. Ja er ist Wirth, ich habe einigemal Brandwein bei ihm getrunken, einigemal bei ihm übernachtet, habe aber nie etwas mit ihm vorgenommen, noch er mit mir, ausser daß wir einmal mit einander auf der Jagd waren, wobei auch Heinrich Rossel, Karl Stieh und Peter Dalheimer von Sonschied waren.
47) Wie oft waret ihr in dem Hause des Adam Schmitt zu Lettweiler?
Antw. Nur zweimal, das erstemal war ich bei der Hochzeit seiner zwei Kinder. Das Ungefähr führte mich nach Lettweiler, begleitet von Georg Friederich Schulz, vom Müllerhannes und Müller Jakob von Eissenbach. Wir gingen in das Haus des Karl Müller, wo sich auch Gustav Müller befand, der mich zu gedachter Hochzeit führte; die andern blieben bei Karl Müller; ich weiß mich der Personen nicht mehr zu erinnern, die bei der Hochzeit waren.
Das zweitemal daß ich da gewesen, war zu einer Zeit, wo ein großer Schnee fiel; zu der Zeit kam ich nach Lettweiler mit dem schwarzen Peter, Christian Rheinhard, Johann Laiendeker, dem Sohn vom Müllerhannes, Johann Martin Rinkert, dem sogenannten Joseph - Krugkrämer. Wir giengen also in das Haus des Karl Müller, wo wir Brandwein tranken, nachher führte uns Gustav Müller in das Haus des Adam Schmitt, wo wir den Tag zubrachten.
Gegen Abend theilten wir uns, ich und Johann Laiendeker gingen zu Jakob Müller, Schwarz-Peter und der Krugkrämer begaben sich zu Philipp Weber, und Johann Martin Rinkert mit dem jungen Butla blieben bei Adam Schmitt. Ich erinnere mich nun, daß Christian Rheinhard nicht mit uns war. Während unserm Aufenthalt in diesen Häusern kam eine Abtheilung Chasseurs nach Lettweiler, und da wir glaubten, daß solche komme um uns zu holen, so zogen wir aus dem Ort gegen Rehborn, wohin bald darauf Philipp Weber kam, uns zu benachrichtigen, daß wir frei zurückkehren könnten, indem die Chasseurs nicht wegen uns gekommen wären, worauf wir dann auch dahin zurük giengen.
48) In welcher Verbindung waret ihr mit Adam Schmitt und seinem Sohn Heinrich?
Antw. Ich war nie in Verbindung weder mit dem einen noch mit dem andern, nie haben sie Theil an meinem Verbrechen genommen und unter den zweimalen, wovon ich so eben gesprochen, war ich niemals in ihrem Haus.
49) Woher kommt es dann, daß ihr euch Leuten anvertraut habt, die ihr nicht gekannt habt?
Antw. Karl Müller, dessen Bekanntschaft ich auf den Märkten machte, die wir besuchten, wollte uns nicht in seinem Haus behalten, unter dem Vorwande, es werde zu viel besucht, und sein Bruder führte uns deswegen in die Behausung von Schmitt, da er voraus wußte, daß man sich ihm anvertrauen könne.
50) In welchen Verhältnissen waret ihr mit Karl Müller?
Antw. In gar keinem, ich sah ihn von Zeit zu Zeit auf dem Markt, nie aber hatten wir miteinander zu thun; auch hab ich ihn in seinem Haus gesehen.
51) Habt ihr nicht auch gestohlene Waaren besagtem Karl Müller verkauft?
Antw. Nein, in Ansehung des Verkaufs den ich von gestohlenen Waaren gemacht, habe ich darüber dem geschwornen Direktor zu Mainz eine ganz umständliche Erklärung gegeben.
52) Kennt ihr auch den Adam Landfried von Lettweiler?
Antw. Ich habe nichts mit ihm zu thun gehabt; ich weiß aber, daß nach dem Diebstahl von Staudernheim Georg Friederich Schulz und Krug Joseph in das Haus des besagten Adam Landfried zu Lettweiler kamen, und ihm, so wie seiner Schwester Margaretha Landfried angelegen haben, ihnen die Päcke mit gestohlenen Waaren zu tragen, das sie auch thaten. Obbesagter Krug-Joseph und Schulz, begleitet von Adam und Margaretha Landfried, kamen in dem Wald von Iben wieder zu mir und da gaben wir den beiden Landfried einige Reste Zitz [leinwandbindiger Baumwollstoff] für ihre Bemühungen.
53) Erinnert ihr euch nicht anderer Mitschuldigen, die ihr noch nicht angezeigt habt?
Antw. Keines - als des Knöpp Antons Hannadem, der der Schwager von Christian Rheinhard, der mit mir den Diebstahl zu Laufersweiler begangen; es ist ein steinerner Krug-Krämer, der gewöhnlich an der Bergstraße im Amt Neustadt umhergeht, auch gewöhnlich zu Großzimmern zu Zeillert bei Steinem, nicht weit von Otzberg sich aufhält, auch bisweilen bis in den Odenwald.
Nachdem man dem Beklagten gegenwärtiges Verhör vorgelesen und auf deutsch ausgelegt hatte, erklärte er, daß seine Antworten und das Aufsezen davon Wahrheit enthalten, er bestande darauf, und hat mit uns Richter und dem Gressier unterschrieben.
Mainz, den Tag Monat und Jahr wie oben.
Unterschrieben: Johannes Bückler, Wernher und Widenlöcher, Gressier
Schinderhannes | Link