17.01.03

Weltchronik

Eine Beschreibung von Mainz aus dem Jahr 1493

Zu den besonderen Attraktionen im Sortiment der Buchhandlungen gehört zur Zeit der Nachdruck der reich bebilderten „Weltchronik“ des Nürnbergers Hartmann Schedel (1440-1514) aus dem Jahr 1493. Das kolorierte und mit einem Kommentar des Mainzer Buchwissenschaftlers Prof. Dr. Stefan Füssel versehene Werk erschien 2001 beim TASCHEN Verlag in Köln, der Preis von 49,95 Euro erscheint angesichts der Ausstattung des großformatigen, 680 Seiten umfassenden und 3,5 kg schweren Buches sehr moderat.

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Die Einteilung des Werkes, zu dem ein Buch des Italieners Filippo di Bergamo als Vorbild diente, erfolgt nach dem mittelalterlichen Schema von den sieben Weltaltern. Die Zeitspanne reicht von Adam bis zum Jüngsten Gericht, die historische Übersicht in der Zeit Kaiser Maxilimians I. (1459-1519).

Kindlers Neues Literaturlexikon (Studienausgabe, Bd. 14, München 1996, S. 868) gibt folgende Würdigung: „Die eigentliche Bedeutung des Werkes liegt indes in den über 2000 Holzschnittillustrationen – teils Phantasieporträts, teils authentische Städtebilder -, die zwischen 1491 und 1493 von Dürers Lehrer Michael Wolgemut und dessen Stiefsohn Wilhelm Pleydenwurff angefertigt wurden. Nicht zuletzt diese prachtvolle, von zwei mit dem Autor befreundeten Patriziern finanzierte Ausstattung sicherte der Weltchronik in den Jahren nach ihrem Erscheinen eine ungeheure Popularität in Deutschland. Besonders durch die in ebenso prächtiger Aufmachung erschienene Übersetzung [des lateinischen Originals] hat das Werk, das sein Entstehen in ersten Linie wohl nur einer geschickten ‚Buchhändlerspekulation’ (Fueter) verdankte, mit Hilfe der Buchdruckerkunst zum erstenmal einem weiteren Leserkreis umfassend, wenn auch unkritisch geschichtliches Wissen vermittelt.“

Im dritten Weltalter (Zeit Abrahams, Moses, Joseph und König Saul) finden sich Beschreibungen der Städte Paris, Mainz, Venedig und Padua, deren Gründung Schedel auf die Trojaner zurückführt. Zur Mainzer Stadtansicht (die mit der Ansicht Neapels im Buch identisch ist!) schreibt Füssel (S. 641): „Die Darstellung von Mainz ... zeigt keine Ähnlichkeiten mit der wirklichen Stadtdarstellung, sondern geht auf eine ideale Stadtdarstellung zurück, die der Vorzeichner aus der viel größeren Vorlage von Erhard Reuwichs Stadtansicht der Insel Candia heraus entwickelte ...“

Über Mainz und Frankfurt berichtet Schedel auf Blatt xxxix:

„Mayntz die ertzbischöflich hawbtstat in teuetschen lannden hat von Maguncio einem Troyaner iren anfang vnnd namen zu der zeit der Troyanischen niederlag gehabt. als Carinus in den Cronicken schreibt. vnnd ist vnder den Belgierischen ein stat teuetscher lannd. vnd raichet an die fluess des reins. Drusus nero nach teuetscher nacion Germanicus genant hat das lob vnd den ruom derselben stat clerlich gemeret. dieweil er wider der teuetschen stet theßhalb reyns gelegen krieget. der dan[n] auß einem pruch eins payns darauff im ein pferd fierd fiele am[m]. xxx. tag dar nach starb. dess leichnam von Nerone claudio seinem bruder (der auff verkuendung der kranckhet eylends kome) gein rom gefueert vnd in keyser Julii grab gelegt wardt. Von den großen taten des benanten Drusi Neronis bey dem reyn geuebt thun Tacitus vnd ander geschichtbeschreiber meldung. vnd des sind guete anzeigu[n]g vil alte ding zu Mayntz. Ettlich setzen das diese stat von Paulino pompeyo dem roemischen heerfuerer in teuetschem land vnder Nerone dem keyser volbracht worden sey. Der ertzbischoff dieser stat gibt auch hilff zu der wale eins roemischen keysers. Diese stat hat bey ir den allerheiligisten man Albanum den martrer. Nit verr vo[n] dieser stat ligt Franckfurt das edel gewerbhaws. darinn die obernn vnnd nidern[n] teuetsche lewt alle iar zwaymal zusamen komen. daselbst wirdt auch ein keyser gewelt auß alter gewonheit. da beyhin fleueßt nit ein vnedler fluss den sie Mayn nen[n]e[n]. Ptolomeus heißt diesen fluss obrigma. vnd spricht das derselb fluss die hohen teuetschen von den nidern teuetsche[n] schaide. vnd sey auch kein andrer fluss dan[n] der Mayn der solche vnderschidung offenbarlicher thun mueg. Vnd noch hewt bey tag raichen die nidern teuetschen herauff bis gein Maintz. von dannen auffwartz werden sie die obern teuetschen genant. Der Mayn entspringt auß den bergen nahend an Behmer land gelegen. vnd rinnt vo[n] d[er] Maintzischen gege[n]t in den reyn. daruemb sind ettlich die glawben das Maintz von demselben fluss des Mayns irnn namen hab. vnd in derselben stat werden nach der roemer sytten große und weyt hoeff vnd gepew vn[n] wolgezierte kirchen mitsampt einem bischoflichen gschloss vnd vil andere gedechtnus wirdige. vnnd auch ettlich von krieg wegen zerstoerte ding gesehen.“

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Anmerkungen