18.03.01

Kreissler/Chrysler Forschung

Liebe Genealogen und Besucher,

heute konnte ich wieder einmal erfahren, dass sich diese Homepage lohnt. Im Forum sucht jemand nach Kreissler, in meinem Log auf dieser Seite steht etwas über ein Kreissler-Buch (rein zufällig) und dann teilt mir Dr. Helmut Schmahl auf meine Anfrage hin mit, daß er a) das Buch nicht zwar nicht geschrieben, aber b) den Vortrag dazu am Sonntag hält und c) eine Rezession dazu verfaßt hat, die jetzt folgt:

Karin Holl: Kreisler - Chrysler: Eine Auswanderungsgeschichte. Ludwigshafen 2001.

Daß die Entwicklung und Verbreitung des Automobils in nicht unerheblichem Maße Ingenieuren und Unternehmern aus dem heutigen Rheinland-Pfalz und seinen Nachbargebieten zu verdanken ist, ist allgemein bekannt. Man denke nur an den im nassauischen Holzhausen geborenen Nikolaus Otto, den Karlsruher Carl Benz oder die Rüsselsheimer Familie Opel. Für einiges Aufsehen sorgte hingegen vor einiger Zeit die in den Medien verbreitete Meldung, daß die väterlichen Vorfahren des amerikanischen Industriellen Walter Percy Chrysler (* 1875 Wamego/Kansas) aus dem rheinhessischen Guntersblum stammten. Mit ihnen hat sich unser Vorstandsmitglied Karin Holl beschäftigt, die als Autorin des ersten Bandes der Chronik „Guntersblumer Geschichte(n)“ eine ausgewiesene Kennerin der Vergangenheit ihrer Heimatgemeinde ist. In sechs Kapiteln zeichnet die Autorin die Geschichte der lutherischen Familie Kreisler/Kreussler nach, ihre Wurzeln reichen bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück. 1627 wurde der Wächter und Wingertsschütze Leonhart Kreisler erstmals im dalbergischen Herrnsheim erwähnt. Aus seiner zweiten Ehe mit Elisabeth Weinmüller ging der Sohn Johannes (Balthasar) hervor, der 1635 in der benachbarten Stadt Worms geboren wurde, wohin seine Eltern geflüchtet waren. Johannes ließ sich um 1658 als Schneider im leiningischen Guntersblum südlich von Oppenheim nieder und ging drei Ehen ein. Seine zweite Ehefrau, die Alsheimerin Anna Maria Silvy (Cilivy), gebar ihm 1672 den Sohn Johann Philipp, der sich 1701 mit der Lehrertochter Anna Catharina Braun aus Udenheim vermählte. Mit Ehefrau und vier Kindern wanderte Johann Philipp 1709 in die Kolonie New York aus. Zwei Töchter überlebten die lange, strapaziöse Reise nicht, drei weitere Kinder wurden nach der Ankunft in der Neuen Welt geboren.

Ausführlich dokumentiert die Verfasserin, welche Ereignisse das Leben der Familie Kreisler prägten. Hierzu gehören der Dreißigjährige Krieg, die Pest von 1666, die Pfalzverwüstung sowie der Hungerwinter von 1708/09, der die erste große deutsche Auswanderungswelle nach Nordamerika auslöste. Die Fülle des verwendeten Materials – neben Kirchenbücher vor allem Inventare, Testamente und Bedbücher – ist beeindruckend, auch die wichtigste deutsche und amerikanische Fachliteratur wurde berücksichtigt. Zahlreiche Abbildungen und ein Dokumentenanhang tragen zur Anschaulichkeit der Darstellung bei, die in einem gut lesbaren Stil verfaßt ist. Es ist zu hoffen, daß bald vergleichbare Studien zu anderen 1709er Familien entstehen werden, beispielsweise zu Johann Valentin Pressler aus Niederhochstadt, der 1710 bei der Familie Kreisler in New York Pate stand. Er gilt als Urahn des Sängers Elvis Presley.

Dr. Helmut Schmahl, Alzey

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Anmerkungen