16.11.02
Historisch: "Weil wir zuvörderst Menschen fürs verödete Land benötigen"
WEIERHOF: Ausstellung in der Mennonitischen Forschungsstelle beleuchtet Geschichte dieser Glaubensgemeinschaft Die Wander-Ausstellung "350 Jahre Mennoniten im Kraichgau",die zur Zeit in der Mennonitischen Forschungsstelle auf dem Weierhof zu sehen ist, beleuchtet ausführlich, aber nicht eng darauf begrenzt, historisches Geschehen im Gebiet zwischen Heidelberg und Heilbronn. Wer sich in die zahlreichen Dokumente vertieft, erhält umfassenderen Einblick in die Geschichte einer dramatischen Fluchtbewegung aus Glaubensgründen, gelebte Grundfesten dieses Glaubens wie auch ganz praktische Veränderungen, die Mennoniten in der neuen Heimat bewirkten. Es waren die gleichen Umstände, die auch zu ihrer Ansiedlung in der Nordpfalz und Rheinhessen führten, darunter auf dem Weierhof, wo die Gemeinde der Mennoniten bis heute strikte Eigenständigkeit ebenso pflegt wie sie sich als Teil der Ökumene vor Ort begreift. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts hießen ihre Vorfahren noch Täufer oder Wiedertäufer. Sie wurden verfolgt, fast ausgerottet und - wie Zitate des aus Bretten im Kraichgau stammenden Philipp Melanchthon belegen - auch von der Reformation verketzert. Dass Täufer Mitte des 17. Jahrhunderts nach ihrer Flucht aus der Schweiz dennoch als Siedler im deutschen Südwesten Aufnahme und Duldung fanden, hatte nach dem Dreißigjährigen Krieg pragmatische Gründe, die der Heidelberger Kurfürst Karl Ludwig in seiner "Mennisten-Konzession" von 1664 ohne Umschweife nennt: "Weil wir zuvörderst Menschen und Unterthanen benötigen, die das verödete Land wieder aufbauen und instand bringen". Dass der Landesherr den Begriff "Mennisten" - nach dem Prediger Menno Simons - verwendete, war reine Vorsicht, wie Forschungsstellen-Leiter Gary Waltner erläutert: Nach wie vor galten "Täufer", die sich ihren Glauben weder vom Staat noch vom Klerus vorschreiben lassen wollten und erst mit der Erwachsenen-Taufe bewusst den Bund mit Gott schlossen, als Ketzer. Auf volle Bürgerrechte mussten die "Mennisten" allerdings noch bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, bis zum Code Napoleon, warten. [...]Quelle: Rheinpfalz Online vom 16.11.2002 Geschichte | Link
Anmerkungen