14.12.02
Rückblende: Rheinhessen vor 150 Jahren
»Bingen, 25. Nov. In der vergangenen Nacht wurde ein hiesiger katholischer Geistlicher, als er im Begriff war, einem Kranken das heilige Sakrament zu bringen, von drei hiesigen jungen Leuten gröblich insultirt. Die Untersuchung wegen dieser Schandthat ist bereits im vollen Gang und wird für die betreffenden, die sowohl von dem Glöckner, wie auch von den Nachtwächtern erkannt wurden, voraussichtlich einen sehr schlimmen Ausgang nehmen. Appenheim, 8. Dez. Seit Monaten ist auf Betreiben des Hrn. Winter von Limburg in hiesiger und angrenzenden Gemarkungen auf Eisenstein geschürft worden, und wie sich nun darstellt, mit dem gewünschten Erfolg. Auf dem Weinberge am oberen Mainzerweg in hiesiger Gemarkung liegt der erzhaltige Stein in der geringen Tiefe von 7 Fuß zu Tag und die Ausbeute verspricht schon für nächstes Frühjahr eine lohnende Beschäftigung für Taglöhner und Fuhrwerkbesitzer. Daß dieser neue Erwerbszweig nicht ohne Rückwirkung auf die Taglöhne in unserer Gegend im Allgemeinen bleiben wird, ist vorauszusehen, und die wohlhabenderen Ackersleute werden sich entschließen müssen, ihren Taglöhnern einen besseren Lohn als bisher zu bieten, wenn sie nicht auf deren Hände verzichten wollen. Wir wünschen dem Unternehmen den besten Fortgang und hoffen von demselben, daß mancher brave Arbeiter dadurch sein Auskommen finden und die Auswanderung nach Amerika vergessen wird. Alzey, 8. Dez. Ein Ausschreiben hiesigen Kreisamtes macht darauf aufmerksam, daß den diesseitigen Unterthanen das Hausiren in Bayern nicht erlaubt ist (die Grenze zur bayerischen Rheinpfalz war nur 3 km von Alzey entfernt!), und daß demzufolge k. bayerische Unterthanen auch im Großherzogthum Hessen nicht hausiren dürfen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß das Gewerbe der Zinn- und Löffelgießer auch von diesseitigen Angehörigen nicht hausirend betrieben werden darf. - Eine andere Veröffentlichung stellt Lehrern, welche sich mit dem Unterricht von Blinden befassen, eine Gratifikation in Aussicht. Appenheim, 9. Dez. Gestern Abend 7 Uhr ertönte die Glocke vom Thurme der kath. Kirche, mit welcher das Signal bei ausgebrochenem Brande gegeben wird. Die Bewohner unserer Gemeinde stürzten erschreckt aus ihren Häusern und forschten vergeblich nach der Brandstätte. Endlich wurden sie dahin beschieden, das Geläute habe als Zeichen für eine Singstunde gegolten, welche der kath. Lehrer abhalten wolle. Wir glauben, diesen Vorfall um deßwillen rügen zu sollen, da neben dem Mißbrauch der Glocke und dem dadurch veranlaßten Schrecken der Bewohner es nicht gleichgültig sein kann, ob dieselben bei wirklich ausbrechendem Brande das dann ertönende Signal auch für das Zeichen einer Singstunde halten, wodurch ein großes Unglück entstehen könnte. Anzeigen von Privaten. Es wird ein gebrauchtes, jedoch noch in gutem Zustand befindliches Billard von ungefähr 11 bis 12 Fuß Länge und der entsprechenden Breite, sammt den dazu gehörigen Queues zu kaufen gesucht. Näheres auf frankirte Anfragen bei Postexpeditor Hoch in Sprendlingen, Canton Wöllstein. Theater-Anzeige (Mainz). Samstag den 11. Dez.: Die Räuber. Drama in 5 Aufzügen von Schiller. Karl - Hr. v. Ernest. Sonntag den 12. Dez.: Martha, oder: Der Markt zu Richmond. Oper in 4 Aufzügen von Flotow. Montag den 13. Dez.: Zum Benefiz für Hrn. Regisseur Rennert: Virginia. Tragödie in 5 Aufzügen von Hedwig Henrich. Icilius - Hr. v. Ernest. Die Direktion.«Quelle: Anzeigeblatt für Rheinhessen (Mainz), Dezember 1852 Lesebuch | Link
Anmerkungen