17.12.02
Johannes Mylaeus - Ein Jurist und Schulmeister aus Nieder-Olm
»Im Zuge ihrer wachsenden wirtschaftlichen Macht und politischen Unabhängigkeit strebten die Städte im Spätmittelalter (14./15. Jahrhundert) auch nach Eigenständigkeit im Bildungswesen, indem sie die Unterhaltung von Schulen übernahmen, schließlich die Aufsicht über bestimmte Schulen an sich zogen oder neue bürgerliche Schulen gründeten. In Speyer gab die Reformation den entscheidenden Anstoß zur Gründung einer selbständigen bürgerlichen Schule, wie es Luther gefordert hatte.Schon 1525 faßte der Rat diesen Plan der Gründung einer Ratsschule (schola senatoria), der aber erst nach dem Übertritt der Stadt zum evangelischen Glauben (1538) im Jahre 1540 zur Ausführung kam. Als erster Schulmeister wurde Johannes Mylaeus aus Niederolm berufen, der als Rektor das Recht hatte, seine Mitarbeiter (collaboratores) auszusuchen und die erste Schulordnung aufzustellen. Die Ratsschule später auch im Unterschied zur "teutschen" Volksschule als des "ehrbaren Rats der Stadt Speyer lateinische Schule" bezeichnet (Schulordnung von 1594) war als Trivialschule konzipiert, in der in vier Klassen die Fächer Grammatik, Rhetorik und Dialektik, am Rande auch Religion und Musik gelehrt wurden. Diese Schule war im Dominikanerkloster untergebracht und mußte sich mit einem Unterrichtsraum für alle Klassen und Lehrer begnügen, was allerdings durchaus mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gepflogenheiten entsprach. Die Schule war anfangs nicht nur durch den bescheidenen äußeren Rahmen beeinträchtigt, sie war auch im Rahmen der politischen Auseinandersetzung um die Konfessionen in ihrer Existenz bedroht. So mußte Mylaeus beim Aufenthalt Kaiser Karls V. in Speyer 1541 die Stadt vorübergehend, zur Zeit des Augsburger Interims im Jahre 1548 für immer verlassen. Der Rat widersetzte sich jedoch der Aufforderung, die Schule aufzulösen, verlegte sie in die Bäckerzunftstube und stellte einen neuen Rektor an. Der Augsburger Religionsfriede von 1555 brachte eine Beruhigung und eine Verbesserung der Verhältnisse an der Speyerer Ratsschule, wie die Schulordnung von 1594 zeigt. Jede Klasse hatte jetzt ihren eigenen, vom Rat ausgesuchten Praezeptor und wohl auch einen eigenen Raum, war doch die Schule nach einer Zwischenstation im Haus zum Groiffen (seit 1555) seit 1587 in einem geräumigen Gebäude des Retscherhofes untergebracht, wo sie bis zum Brand der Stadt 1689 blieb. Die vom Rat der Stadt immer sehr ernst genommene Aufgabe der Schulaufsicht sollte nach der Schulordnung von 1594 von den beiden Bürgermeistern und zwei Ratsherren wahrgenommen werden.«
Quelle: Walter Helfrich, 450 Jahre lateinisches Gymnasium in Speyer (zur Onlineversion)
Meine Affinität zu einem Nieder-Olmer Juristen ist ja hinlänglich bekannt :-) Und nun fällt mir dieser Johannes Mylaeus quasi in den Schoß! Wo? In einem digitalisierten Buch (Adam, Melchior: Vitae Germanorum iureconsultorum et politicorum, qui superiori seculo et quod excurrit floruerunt) auf dem Server der Uni Mannheim. Gefunden hatte ich den Link bei Netbib.
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